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Bankzeiten - wahre Geschichten

Zunächst schon einmal herzlichen Dank an "LJ" und "NW" - Insider wissen natürlich, wer hinter diesen Initialen stecken - für die Erstausstattung mit Storys. Es sollen noch mehr dazu kommen und ich werde mir dann überlegen, wie ich die auf dieser Seite oder auf weiteren halbwegs übersichtlich "anrichte".

Also ruhig her damit !

 

  • Damenbinde für den Abteilungsleiter [LJ]
  • Wir waren in unserem Ausbildungsjahrgang zu zweit und machten gerne mal ein paar Späße mit unseren Kollegen. Eine weitere Auszubildende, die bereits ein Jahr vor uns angefangen hatte, hatte an einem Tag Dienst in der sogenannten "Annahme". Das war eine Stelle an dem langen Bankschalter, der sich über die ganze Breite der Kassenhalle erstreckte, an der eine tiefergelegte Arbeitsplatte die lange, polierte Holzplatte unterbrach. An dieser Einbuchtung konnte ein Mitarbeiter wie an einem Schreibtisch sitzen und nahm dann Überweisungen, Post oder sonstige Unterlagen entgegen. Hier meldeten sich die Kunden auch an, wenn sie einen bestimmten Mitarbeiter sprechen wollten.

    Als wir eine Frühstückspause machen wollten, fanden wir im externen Treppenhaus auf einem Heizkörper eine Werbesendung mit einer Probepackung für Damenbinden. Irgendjemand hatte sie aus seinem Briefkasten genommen und hier abgelegt. Wir wollten uns nun einen Scherz erlauben und verpackten den Umschlag in einem neutralen DIN-A4 Umschlag und schrieben darauf den Namen der Bank und adressierten die Sendung zu Händen des Abteilungsleiters, der für den Bereich der Kassenhalle zuständig war. Wir deponierten den Umschlag in einem unbewachten Moment auf dem Tisch der Annahme und legten uns auf die Lauer. Unsere Kollegin fand den Brief, versah ihn ordnungsgemäß mit einem Eingangsstempel und brachte ihn zum Arbeitsplatz des Abteilungsleiters. Als dieser wieder an seinem Tisch Platz nahm, fand er den Umschlag, öffnete ihn, guckte hin, ließ dann seinen Blick durch die Kassenhalle gleiten und bat die Kollegin aus der Annahme zu sich. Sie konnte zu der Herkunft des Briefes keine Angaben machen, musste aber doch lachen, als sie den Inhalt gezeigt bekam. Sie hatte auch gleich eine Ahnung, wer da wohl hinter steckte, sagte aber nichts. Auch der Abteilungsleiter, der durchaus Sinn für Humor besaß, hatte diese Ahnung, musste aber selber auch lächeln. Unter irgendeinem Vorwand bestellte er uns beide zu sich und ließ uns nebenbei wissen, dass er uns irgendwann schon einmal erwischen würde.

  • Der Skatabend im Nebel [LJ]
  • Eben jener Abteilungsleiter sprach uns eines Tages an, ob wir Lust hätten, am Wochenende eine zünftige Runde Skat bei ihm zuhause zu spielen. Seine Ehefrau hatte eine Verabredung und da könnte man einen geselligen Abend machen. Wir hatten nichts Besonderes vor und fanden den Gedanken ganz amüsant. So fuhren wir an dem Abend mit dem Zug zu ihm in den nahen Landkreis. Wir aßen eine Kleinigkeit und dann begann der Skatabend. Unser Abteilungsleiter fragte, was wir trinken wollten und bot uns einen Whisky an. Davon hatte er einige Flaschen auf einem Regal stehen. Er hatte sie bei Skatturnieren gewonnen, mochte aber gar keinen Whisky. So könnten wir uns ruhig ordentlich bedienen, es sei ja genug da. Für uns war Whisky ein Getränk, was man sich normaler Weise nicht leisten konnte und so griffen wir ordentlich zu. Wir spielten nicht schlecht, hatten aber wenig Chance gegen den Skatprofi. Mit zunehmendem Whisky-Konsum war uns das jedoch auch völlig egal.

    Am nächsten Morgen wachte ich zuhause auf und konnte beim besten Willen nicht rekonstruieren, wie ich wohl nachhause gekommen war. Ein Blick in mein Portemonnaie zeigte mir, dass da ein Geldschein fehlte, der vielleicht für eine Taxifahrt verwandt worden war. Ich machte erstmal einen langen Spaziergang und rief dann meinen Mitstreiter an. Der war ganz verwundert, weil er dachte, ich hätte den Abend besser überstanden. "Wir sind doch mit dem Taxi zurück und der Fahrer hat sich noch in dem dichten Nebel verfahren." Am Montag in der Bank erfuhren wir dann, dass wir gemeinsam zwei Flachen Whisky geleert hätten, aber unser Abteilungsleiter, der sich mit einer Flasche Jägermeister begnügt hatte, fand den Abend sehr nett. Ich habe danach nie wieder Whisky getrunken und habe Abstürze dieser Art vermieden - auch eine Art von Lehre.

  • Überzogene Sparkonten | Azubi [LJ]
  • Mitunter kam es vor, dass neue Auszubildende in ihren ersten Tagen ihre Unsicherheit durch forsches oder arrogantes Auftreten oder einem besonderen, demonstrierten Bildungsgrad überspielten. Das führte dann mitunter zu kleinen Streichen, um die jungen Kollegen etwas „einzunorden". In einem Fall bekam ein Azubi, der sich von vorn herein als zukünftiger Kreditmitarbeiter einschätzte, die Aufgabe, die Überziehungslisten der Sparkonten zur besonderen Prüfung aus der Kreditabteilung zu holen. Nun gab es solche Listen natürlich gar nicht, da Sparkonten schon rein technisch gar nicht ins Soll geraten konnten. Während der junge Mann sich auf den Weg in die zwei Etagen höher liegende Kreditabteilung machte, wurden die dortigen Kollegen telefonisch eingewiesen. Mit wichtiger Miene wurde dem Azubi dann die sehr umfangreiche monatliche Debitorenliste in die Arme gelegt, mit dem Hinweis, dass er alle darin ersichtlichen Sparkonten mit einem Textmarker hervorheben solle. Da sich die Sparkonten nur durch eine bestimmte Unterkontonummer von den Girokonten unterschieden, wäre also größte Sorgfalt und Konzentration erforderlich. Da der Azubi die Kreditabteilung als die Krönung im Bankgeschäft sah, konnte es keinen Zweifel an der Anweisung geben und er machte sich gewissenhaft an die Arbeit - bis ihn jemand gnädig erlöste, nachdem er auch nach zig Seiten keine Sparkontonummer gefunden hatte.


  • Kojak und Sergeant Crocker bei der SCHUFA [LJ]
  • Während der Ausbildung mussten mein Azubi-Kollege und ich für Kredit- oder Kontoanfragen von Kunden Auskünfte bei der Auskunftei SCHUFA einholen. Zu der Zeit erfolgte das noch per Fernschreiber oder per Telefon. Um sich als Berechtigter zu verifizieren nannte man am Telefon seinen Namen, Name der Bank und eine spezielle Kennzahl, die für jede Bankfiliale vergeben wurde. Da wir regelmäßig mit der SCHUFA telefonierten und auf deren Seite eigentlich nur mit netten Damen Kontakt hatten, ergab sich im Laufe der Zeit ein recht lockerer Umgangston mit Scherzen auf beiden Seiten. Als kleinen Gag meldeten wir uns in Anlehnung an eine laufende Krimi-Serie nicht mehr mit unseren Namen sondern mit ,,Kojak" oder „Sergeant Crocker"' Das bürgerte sich so ein, dass wir nicht mal mehr die eigentlich notwendige Kennzahl benötigten.


  • SCHUFA-Auskunft über den Nikolaus [LJ]
  • An einem 6. Dezember kamen wir auf die Idee, per Fernschreiber eine Auskunft über den Nikolaus einzuholen - als scherzhaften Gruß an die Damen der SCHUFA. In der üblichen Form verfasste ich das Anschreiben und bat um eine allgemeine Auskunft. Die Anfrage wurde auf einem Papierstreifen mitgeschrieben und eine Durchschrift befand sich auf einer Papierrolle, die alle Fernschreiben für Kontrollmöglichkeiten festhielt. Ein für den Kreditbereich zuständiger Mitarbeiter las zufällig diese Durchschrift auf der Rolle und wusste auch gleich, wer das wohl verzapft haben könnte. Ich erhielt an seinem Schreibtisch, der ganz in der Nähe des Fernschreibers war, eine ordentliche Standpauke bezüglich der Umgangsformen mit der SCHUFA und dem gefährdeten Ansehen der Bankfiliale. Während er noch darauf hinwies, dass solche Anfragen auch bei der SCHUFA böse aufstoßen könnten, begann der Fernschreiber zu rattern. Die SCHUFA schrieb zurück, dass man die Anfrage derzeit leider nicht beantworten könnte, da die Auskunftsmappe sich auf dem Weg zwischen Himmel und Erde befände. Da hatte ich dann die Lacher auf meiner Seite.


  • Die vertauschten Telefone [LJ]
  • Während meiner Ausbildung verbrachte ich einen Abschnitt in der Abteilung für Baufinanzierung. Drei Kollegen saßen an drei Schreibtischen zusammen. Zwei Tische standen an den Längsseiten zusammen und der dritte Tisch war an die Querseiten der Tische gegengestellt. Die jeweiligen Telefone standen in einer Gruppe zusammen, so dass jeder Mitarbeiter leicht auch Gespräche seines Kollegen entgegennehmen konnte. Eines Tages waren zwei der Mitarbeiter in Kundengesprächen und eine Mitarbeiterin saß an der Tischgruppe. Als sie kurz ihren Platz verließ, vertauschte ich die Hörer der einzelnen Apparate, so dass jeweils ein Hörer auf der Gabel des daneben stehenden Telefons lag. Als die Kollegin wieder ihren Platz einnahm, rief ich von einer Nebenstelle mit kleinen Pausen die unterschiedlichen Telefonnummern an. Die Kollegin war anfangs erstaunt, dann aber recht irritiert, dass der jeweilige Hörer den sie aufnahm statt eines Gespräches nur ein Freizeichen von sich gab.


  • Die entwertete Lochkarte [LJ]
  • Während der Ausbildung war es üblich, dass man verschiedene Abteilungen in größeren und kleineren Stellen der Bank durchlief. So verbrachte ich einige Wochen in einer kleinen Stadtzweigstelle und ließ mir von einem älteren Mitarbeiter erklären, wie Änderungen an Daten für Kunden, Konten oder Daueraufträge kontrolliert wurden. Damals gab es noch Lochkarten und jede Änderung wurde handschriftlich auf der ursprünglichen Karte vermerkt und unterschrieben, zur Erfassungsstelle geschickt und dort verarbeitet. Anschließend erhielt man die Ursprungskarte und die geänderte "abgelochte" Karte zurück und prüfte, ob die handschriftliche Änderung der neu erstellten Karte entsprach. Wenn alles in Ordnung war, konnte die Ursprungskarte vernichtet werden. Ein an sich schon öder Vorgang, der jedoch von dem älteren Kollegen noch ein wenig gesteigert wurde. Mit einem roten Kugelschreiber harkte er jede Änderung auf der neuen Karte ab, brachte sein Handzeichen auf, nahm dann ein Lineal und zog sorgsam diagonal zwei Striche über die alte Karte. Die so durchkreuzte Karte warf er dann abschließend in den Papierkrieg. Der Lerneffekt an diesem Arbeitsplatz war eher gering.

  • Eingangsstempel versus Hacker [LJ]
  • Kollege Carlo S. war bekannt für seinen sehr speziellen Humor, der sich auch gerne mal auf Kunden und Kollegen der Bank bezog. So imitierte er auf köstliche Weise einen wohlgenährten Filialleiter mit Hosenträgern, der eine besondere Kundin, ihres Zeichens Mutter eines Werftdirektors, hofierte. An einem Tag im Hauptgeschäft der Filiale scherzte er mit dem Auszubildenden Peter K. herum und drohte ihm mit einer Heftmaschine, kurz "Tacker" genannt, die Krawatte zu durchlöchern. Der Azubi im Gegenzug nahm den großen, schweren Eingangsstempel, der mit roter Tinte die Filialbezeichnung und das aktuelle Datum auf neue Posteingänge druckte und drohte seinerseits mit einem kraftvollen Stempeldruck auf die Stirn des Kollegen. Auge in Auge, die "Waffen" im Anschlag standen sich die beiden gegenüber wie Gary Cooper und Ian MacDonald in "Zwölf Uhr mittags". Im Umkreis - der gerade leeren Schalterhalle - verharrten die Kollegen schweigend und verfolgten gespannt das ungleiche Duell zwischen dem etablierten Mitarbeiter und dem jungen Azubi.... Carlo grinste und ließ den Tacker zubeißen: Klack, war die Krawatte durchlöchert und geheftet. Aber Peter K. reagierte sofort: Rums! knallte der schwere Stempel auf die Stirn des Kollegen und hinterließ ein rotes Viereck mit dem Datum und dem Filialnamen und einen sichtlich verwirrten Kollegen.


  • Die Sparzinsreklamation und das Angebot der Super-Anleihe, leider ausverkauft [LJ]
  • Ein Kunde beschwert sich bei einem Auszubildenden über seine mickrigen Sparzinsen und lässt auch nicht locker, als der Mitarbeiter kund tut, dass er als frischer Azubi dazu nicht viel sagen kann. Unhöflich und ruppig lässt der Kunden seinen Frust an dem jungen Kollegen ab. Im Hintergrund bekommt der Wertpapierberater Carlo S. diese ungleiche Auseinandersetzung mit und schreitet ein. Er erklärt dem Kunden kurz und voller Verständnis für die Verärgerung den Hintergrund der niedrigen Sparzinsen und stellt ihm ein Bonbon in Form einer kurzlaufenden, gutverzinsten Bankanleihe in Aussicht. Der Kunde beruhigt sich und Gier statt Ärger macht sich auf seinem Gesicht breit. Der Berater führt an, dass er sich nur noch eben nach den Kaufmodalitäten in der Bremer Börsenstelle erkundigen müsse und begibt sich nach hinten. Dort scherzt er mit einigen Kollegen und sagt, dass er diesem unhöflichen Kunden jetzt eins auswischen wird. Er wartet noch ein wenig und geht dann mit betrübtem Gesicht zum Kunden. „Leider ist die Anleihe gerade vor ein paar Minuten ausverkauft und es gibt auch keine weiteren Kaufmöglichkeiten." Der Kunde starrt den Berater fassungslos an, dreht sich um und geht wortlos aus der Bank. Der Berater schaut ihm nach und fragt den verdutzten Azubi: ,,Na, alles klar?"
  • Die eingesammelten 20 DM-Scheine [LJ]
  • Im Hafen sind mehrere Fischtrawler vom Fang zurück gekehrt. Die Mannschaften wurden in bar ausgezahlt und nach der langen Zeit auf See landen viele in den Kneipen der Stadt. Völlig betrunken erscheint einer der Seemänner in der Bank um das verbliebene Geld auf sein Konto einzuzahlen. Lallend begrüßt er alle Mitarbeiter und drückt jedem einen 20-DM-Schein in die Hand. Dann wankt er wieder raus, Richtung nächste Kneipe. Die Kassiererin Frau M. kommt aus der Kasse, geht von Kollege zu Kollege, sammelt die 20-DM-Scheine wieder ein und verbucht den Betrag auf dem Konto des Kunden. Dieser Ablauf wiederholte sich regelmäßig alle paar Wochen.


  • Der fliegende Aschenbecher [LJ]
  • Eine Kundin, die bekannter Weise nicht gut mit ihrem Geld umgehen kann, erscheint gegen Monatsende und verlangt resolut eine weitere Auszahlung von ihrem Konto. Die Kassiererin Frau M. kam aus ihrer Kassenbox und gab der Kundin zu verstehen, dass Auszahlungen erst nach erneuten Geldeingängen möglich wären und ihr dies auch in der Vergangenheit bereits mehrmals erklärt worden wäre. Die Kundin ist sauer, nimmt einen schweren Glasaschenbecher vom Bankschalter und wirft ihn mit viel Schwung gegen die dahinter befindliche Wand. Die Kassiererin und andere Mitarbeiter müssen in Deckung gehen, um nicht von den umher fliegenden Glasscherben getroffen zu werden. Derweil dreht sich die Kundin um und verlässt schimpfend die Bank. Scherben bringen Glück - wem auch immer.

  • Öde und verbrannt liegt die Steppe nieder [LJ]
  • Ein ehemaliger Ingenieur, langjähriger Kunde der Bank, ist bedauerlicherweise an Alzheimer erkrankt und befindet sich in Pflege. Seine Geldangelegenheiten werden von seiner Familie geregelt und die Kontoauszüge monatlich per Post zugestellt. Der alten Gewohnheit folgend kommt Herr W. einmal im Monat an den Schalter und fragt nach seinen Kontoauszügen. Niemand mag ihm sagen, dass seine Familie das schon seit längerer Zeit übernommen hat und so schaut man in die alte Ablagetasche und bedauert, dass keine neuen Auszüge vorhanden sind. Regelmäßig bedankt sich der Kunden für die Bemühungen und verabschiedet sich mit den Worten: „Öde und verbrannt liegt die Steppe nieder."


  • Kochen in der Bank - Krabben in Curry [LJ]
  • Als junger Leiter einer kleinen Stadtzweigstelle hatte ich wenig Erfahrung in der Personalführung und stand eines Tages vor der Frage, wie ich das Zweigstellenteam für ein erfolgreiches Quartal am besten loben sollte. Statt der üblichen schönen Worte und dem Appell „weiter so" gab ich 45 Minuten vor der Mittagspause bekannt, dass wir uns alle in der Mittagszeit zusammensetzen wollten. Anschließend verließ ich die Bank und kaufte im Supermarkt nebenan einige Zutaten und verschwand damit in der kleinen Küche der Bankzweigstelle. Schon vor der Schließung erahnten die Kollegen, dass sich da etwas in der Küche entwickelte. Statt der üblichen Zahlenbesprechung gab es dann Nordseekrabben in Curry und Dill mit Tortellini. Seit dem musste jeder geschäftlicher Erfolg mit einem kleinen Essen gewürdigt werden.

  • Bestechung der Revisoren mit Tortellini in Schinken-Sahne-Sauce [LJ]
  • Diese Krabben-Geschichte sprach sich in der Bank herum und als wir eines Tages Besuch von der gefürchteten Revisionsabteilung zwecks allgemeiner Prüfung bekamen, wurde ich prompt gefragt, was es denn heute zu essen gäbe. Also verließ ich 45 Minuten vor der Mittagspause mal wieder die Bank und kochte Tortellini in Schinken-Sahne-Sauce. Den Revisoren schmeckte das Essen sichtlich gut und böse Geister behaupteten, dass uns so das eine oder andere Manko nur mündlich - also ohne Benotung im Bericht - aufgegeben wurde.

  • Kassenrevision in der falschen Bank [LJ]
  • Neben der Regionsrevision gab es die noch mehr gefürchtete Zentralrevision, die üblicherweise ohne Vorankündigung in den Zweigstellen einfiel und sich stets als erstes auf den Kassenbestand stürzte, um jegliche Vertuschung oder Korrektur von Handhabungen zu vereiteln. So kam es eines Tages, dass 2 Revisoren noch vor der Öffnung der Zweigstelle an die Tür klopften, sich mit dem Revisionsausweis zu erkennen gaben und noch vor Beginn der Schalterzeit die Kasse aufnehmen wollten. Der Kassierer war überrascht und ein wenig verärgert über die plötzliche Störung seines Tagesablaufes, aber es blieb ihm nichts anderes übrig, als den Revisoren Zugang zu seinem Kassenhäuschen zu gewähren und beim Zählen des Geldes zuzuschauen. Die beiden beeilten sich auch sichtlich und prüften nach den Beständen auch die vorhanden Kassenbelege und Ein- und Auslieferungspapiere des Geldtransfers. Als sie fertig waren, stimmten sie sich beide ab, verabschiedeten sich überraschend und verließen die Stelle ohne weitere Prüfungen oder Kommentare. Die verdutzten Mitarbeiter fragten sich was da wohl passiert sei. Zwei Tage später erfuhren sie von Kollegen einer anderen Bank, dass sich deren Revisoren in der Adresse geirrt hatten und so die falsche Kasse aufgenommen hatten. Bei den für sie fremden Kassenbelegen und Protokollen bemerkten sie ihren Fehler und machten sich schnell aus dem Staub. In der Aufregung hatte keiner der Bankmitarbeiter das „fremde“ Logo auf den Bankausweisen der Revisoren bemerkt und sich durch das typische und sehr sichere Verhalten der Revisoren einschüchtern lassen.
  • Lebendige Hummer zum Geburtstag [LJ]
  • In unserer kleinen Stadtzweigstelle hatten wir ein fast familiäres Verhältnis zu den meisten Kunden. So geschah es, dass der Geschäftsführer eines Fischhandelsunternehmens unserem Kassierer zu dessen Geburtstag eine Aufmerksamkeit zukommen lassen wollte. Er wusste, dass dieser sich für gute Essen begeistern konnte und so kam er dann mit einem Karton mit Holzwolle in die Bankfiliale. Der verdutzte Jubilar fand darin zwei lebende Hummer, die er für seine Geburtstagsfeier verwenden sollte. Nun wusste er aber nicht so recht, wie er damit umgehen sollte und schlug vor, dass wir zumindest einen der Hummer doch gleich in der Mittagspause zubereiten sollten. Da ich bereits zu anderen Anlässen für die Kollegen gekocht hatte, kam mir also diese Aufgabe zu. Mittags brodelte dann ein großer Topf mit Wasser und nach einigen recht spannenden Momenten gelang es dann tatsächlich den Hummer zuzubereiten. Der Duft verbreitete sich in dem Bankraum und die Geschichte wurde an diesem und manch anderen Tagen oft erzählt.
  • Bargeld für die ,,Amerigo Vespucci" [LJ]
  • Unsere kleine Stadtzweigstelle lag dem Fischereihafen unserer Stadt recht nahe. Deshalb ergab sich folgende Geschichte. Das italienische Schulschiff ,,Amerigo Vespucci" sollte für einige Tage im Hafen zu Besuch kommen. Bei der Gelegenheit sollten Vorräte und auch Bargeld für die Lohnauszahlung in US-Dollar besorgt werden. Die deutsche Botschaft in Berlin vermittelte hierzu Hilfe und so kam es zu einem Anruf in unserer Stelle. Es wurde gefragt, ob wir in der Lage wären, eine größere Summe in US-Dollar zu besorgen und auch an Bord des Schiffes zu liefern. Na klar, wir sind doch eine Bank! So kam dann in der für uns zuständigen Hauptstelle ein Fernschreiben aus Berlin an, in dem eine entsprechende Geldanweisung in DM mit der Bitte um Tausch in US-Dollar und Abwicklung über unsere Stadtzweigstelle bestätigt wurde. Das Fernschreiben führte sofort zu einem Telefonat mit der Frage, ob wir größenwahnsinnig geworden wären, ein solches Geschäft selbst abzuwickeln. Wir fanden das völlig in Ordnung und da die Anweisung aus Berlin eindeutig war und über die Zentrale der Bank bereits Buchungen auf dem Conto-pro-Diverse (CpD-Konto) der Stelle vorgenommen wurden, musste man uns dieses lukrative Geschäft überlassen. Als der Bote die Geldscheine brachte, machten wir uns in der Mittagspause mit 2 Leuten auf den Weg zum Schiff und übergaben das Paket gegen ordnungsgemäße Quittung. Am nächsten Tag bekamen wir Besuch von einem Offizier des Schiffes, der uns zu einem Empfang an Bord für den kommenden Abend einlud. Meine Kollegin chauffierte uns mit ihrem Mercedes standesgemäß an die Kaje und vorbei an vielen Schaulustigen wurden wir über die Gangway auf das Schiff geführt. Zusammen mit den Honoratioren der Stadt verbrachten wir einen netten Abend mit feinen italienischen Leckereien und gutem Wein.

  • Die denkende Schreibmaschine [LJ]
  • Unsere Chefsekretärin erhielt eines Tages eine elektronische Schreibmaschine, die auf dem neuesten Stand der damaligen Technik war. Man konnte nicht nur elektrisch statt mechanisch mit ihr schreiben, sondern unter anderem auch Texte in einen internen Speicher schreiben und diesen Text dann zur Kontrolle über ein kleines Display vor dem eigentlichen Druck nochmal abrufen. Die Anzeige war recht schmal, so dass der Text als Fließtext von rechts nach links über die Anzeige lief. Die Kollegin war jedoch nicht besonders technikaffin und wollte sich mit der Bedienung erstmal in den folgenden Tagen vertraut machen. Am nächsten Morgen kam sie ins Büro, begrüßte mich und guckte erstmal vorsichtig nach, welchen Schalter sie für die Inbetriebnahme der Schreibmaschine benutzen musste. Kaum hatte sie das Gerät eingeschaltet, lief über das Display der Text ,,Guten Morgen liebe Irma, ich bin deine neue Schreibmaschine." Völlig fassungslos starrte die Kollegin auf den Text und kam erst nach einiger Zeit auf den Gedanken, dass hier wohl jemand seine Finger im Spiel gehabt haben musste.

  • Das verschwundene Haus [LJ]
  • Aufgrund einer Kreditanfrage bekam ich den Auftrag, ein von der Bank beliehenes Haus im Landkreis zu begutachten. Der Ort lag 40 km von unserer Stelle entfernt und seit der damaligen Kreditprüfung war niemand in diese Gegend gekommen. Als ich die in den Unterlagen genannte Adresse erreichte, nahm ich die alten Fotos aus der Akte und suchte nach dem Haus. Da ich nach einigem Suchen nichts Vergleichbares finden konnte, klingelte ich an dem Nachbarhaus. Eine Frau erklärte mir dann, dass das alte Haus vor einiger Zeit abgerissen worden sei und ihr Ex-Ehemann als Abfindung der Scheidung ihr das Grundstück zum Bau eines neuen Hauses überlassen hatte. Als ich ihr erklärte, dass auf dem Grundstück noch eine vorrangige Hypothek unserer Bank eingetragen war und auch noch valutierte und somit nun ihr neues Haus für die alten Schulden haftete, verlor sie die Fassung und stieß wüste Drohungen gegen ihren Ex-Mann aus. Einige Tage später tauchte er kleinlaut bei uns auf und bat um Vorrang der Finanzierung der Frau. Das hätte er jedoch besser vor dem Abriss besprechen sollen.
  • Objektfotos im Rotlicht-Viertel [LJ]
  • Als Mitarbeiter der Baufinanzierungsabteilung erhielt ich eines Tages einen Anruf von einer Filiale aus Süddeutschland. Zur Aktualisierung der dortigen Kreditakte bat man mich um neue Fotoaufnahmen eines Mietshauses in unserer Stadt. Als ich die Adresse hörte, stutze ich etwas und klärte die Kollegin am Telefon darüber auf, dass die Bank offensichtlich ein Haus mitten im Rotlichtviertel unserer Stadt finanziert hatte. Das war dort nicht bekannt, der Schreck war groß, aber die Fotos brauchte man ja nun erst recht. Also machte ich mich am nächsten Vormittag auf den Weg, um mit einer Polaroid Kamera die gewünschten Fotos zu machen. Den Bankwagen parkte ich vorsorglich in der Nebenstraße und ging den restlichen Weg zu Fuß. Als die Damen des Etablissements meine Kamera sahen und erfuhren, dass ich Fotos im Bankauftrag machte, kam richtig Stimmung auf. Die freizügig gekleideten Damen wollten sich vor dem Haus postieren und man machte mich darauf aufmerksam, dass es im Inneren des Hauses wohl noch viel bessere Fotomotive gäbe. Ich war froh, dass die Damen das mit Humor nahmen und die zu befürchtenden männlichen „Partner" nicht zugegen waren.


  • Der Adventskranz brennt [LJ]
  • In der Adventszeit hing über dem Kundenschalter an langen roten Bändern ein großer Adventskranz mit dicken Kerzen. Eines Tages kam ich mit einer Kollegin von der Mittagspause zurück in die Schalterhalle der Bank und wir hörten plötzlich ein scharfes Knistern. Die Kerzen waren zu weit herunter gebrannt und die trockenen Zweige begannen gerade knatternd zu brennen. Die Kollegin holte vom Nebenraum eine Blumengießkanne mit langer, dünner Ausgusstülle, konnte damit jedoch nicht viel anrichten. Ein weiterer Kollege, der gerade herein kam, riss den Kranz von der Decke, während ich in den Keller rannte und dort den Feuerlöscher holte. Es war das erste Mal, dass ich so ein Gerät benutzen musste und daher war ich schon erstaunt, dass statt des erwarteten Löschschaumes ein kräftiger Strahl von extrem feinem Pulver aus der Düse schoss und das Feuer sofort löschte, aber gleichzeitig eine weiße aufquellende Wolke im ganzen Raum verteilte. Alle Schränke, Akten und das gesamt Mobiliar waren von einer dünnen Schicht des weißen Pulvers überzogen. Die Reinigung der Bankräume hat sich über Tage hingezogen, aber wenigsten war der Brandschaden minimal. Es gab Kollegen, die hätten gerne einen anderen Verlauf gesehen.


  • Der Banküberfall und der tapfere Azubi [LJ]
  • In der Hauptstelle der Bank hatten wir am Ende des Schalters zwei Kassenboxen. Eine für die alltäglichen Ein- und Auszahlungen der Kunden und daneben eine für das Zählen größerer Geldbeträge, wie sie z.B. von den Kaufhäusern gebracht wurden. Eines Tages zählten zwei Auszubildende in dieser Box die Tageseinnahme der C&A-Filiale als ein Mann an der Hauptkasse den Kassierer mit einer Waffe bedrohte und Geld verlangte. Der Kassierer war wie erstarrt und regte sich überhaupt nicht. Der Mann schoss - wie sich später herausstellte an dem Kassierer vorbei in die Tür - und drohte weitere Schüsse an. Der Kassierer war wie versteinert, da begann einer der Auszubildenden dem Mann Gelder von der Firmeneinzahlung über die Durchreiche zu schieben. Der Bankräuber raffte das Geld zusammen und verschwand durch den Haupteingang. Der Prokurist der Filiale hatte derweil die Telefonistin im 3. Stock per Telefon erreicht und sagte immer wieder leise: „Drücken Sie den roten Knopf". Die Telefonistin, die allein in der Lage war eine Amtsleitung zu verbinden, verstand den Hinweis jedoch anfangs gar nicht, weil sie natürlich den Ablauf in der Kassenhalle nicht mit bekam. Schließlich wurde stiller Alarm gegeben. Derweil hatte sich einer der Auszubildenden auf den Weg gemacht, den Bankräuber zu verfolgen - was ihm natürlich streng untersagt war. Er verfolgte den Mann durch ein Kaufhaus auf einen großen Parkplatz, wo er eine Frau mit der Waffe zwang, ihn in ihrem Auto mitzunehmen. Als der Wagen an der Ausfahrtsschranke stand, kam von der Seite ein Polizeiwagen, der durch Hinweise des verfolgenden Auszubildenden die Parkplatzausfahrt blockierte. Der Bankräuber erkannte die Chancenlosigkeit seiner Situation, steckte sich die Waffe in den Mund und erschoss sich.

    Später stellte sich heraus, dass dieser Mann Kunde der Bank war, der eigentlich als Kapitän gut verdiente, dessen Ehefrau aber dermaßen über die Verhältnisse lebte, dass er immer wieder neue Kredite aufnehmen musste, um den Konsum seiner Frau zu regulieren. Letztendlich war ihm nun ein weiterer Kredit abgelehnt worden und er sah die letzte Möglichkeit in dem Bankraub. Der Auszubildende wurde von der Geschäftsleitung streng verwarnt, weil er sich gegen die Richtlinien für Banküberfälle verhalten hatte und sich und andere in Gefahr gebracht hatte. Anschließend erhielt er eine Silbermedaille für sein tapferes Verhalten und der Tatsache, dass er der Bank einen größeren Verlust erspart hatte. Der Kassierer stand unter Schock und hat erst am nächsten Tag begriffen, was da passiert war.

  • 50 Pfennig Kassendifferenz im Fischereihafen [LJ]
  • Im Fischereihafen der Stadt hatte die Bank eine sogenannte Zahlstelle. Ein einzelner Mitarbeiter nahm Ein- und Auszahlungen vor und nahm von den Kunden Belege, Überweisungen und Aufträge an die Bank entgegen. Jeweils um 12:00 Uhr war Kassenschluss und der Kollege wurde samt des Kassenbestandes von dem Bankfahrer abgeholt. Als frisch übernommener Mitarbeiter sollte ich nun diesen Kollegen während seines Urlaubs vertreten. In einer Übergabezeit sollte er mir alle Abläufe und Besonderheiten der Zahlstelle erläutern. Er legte großen Wert darauf, dass evtl. eingereichte Päckchen für ihn ungeöffnet in seinem Schreibtisch deponiert würden. Des Weiteren dürfte man keineswegs irgendwelche Wünsche dieser besonderen Kunden - seien es Hafenarbeiter oder Geschäftsführer der größeren Unternehmen - ablehnen oder nicht umgehend erledigen. Eines Mittags nahmen wir gemeinsam die Kasse auf und stellten eine Plusdifferenz von 50 Pfennigen fest. Eigentlich wäre dies ein Fall für die Differenzenkladde der Kasse gewesen, aber der Kollege ging im Geiste alle Kundenkontakte durch, bis ihm einfiel, dass er sich bei einer Einzahlung eines Firmenboten offensichtlich vertan hätte. Ich war froh, dass die Differenz sich geklärt hatte und ging davon aus, dass man diesen Betrag am nächsten Tag nachbuchen würde oder den Boten informieren würde. Aber der Kollege bestand darauf, dass wir umgehend die Firma aufsuchen müssten, um das Geld auszuhändigen. Diese etwas überzogene Handlung verstand ich erst, als wir nach Begleichung des Betrages wieder vor der Eingangstür der Firma standen - jeder mit 2 Glas Rollmops und Fischkonserven in der Hand.
  • Maschinenpistolen in der Ein-Mann-Stelle [LJ]
  • Der besagte Kollege der Zahlstelle im Fischerhafen hatte mir unter anderem auch den Schalter der Alarmanlage gezeigt, für den Fall eines Banküberfalls. Nun war das nicht gerade zu erwarten. Einerseits waren die Leute im Hafen alle ehrbare Arbeiter und außerdem war in der Stelle nicht gerade mit dicker Beute zu rechnen und der gesamte Raum wurde durch eine dicke Panzerglasscheibe geteilt. So vergaß ich mehr oder weniger diesen Schaltmechanismus, der als Fußschalter auf dem Boden genau in Höhe der Gelddurchreiche eingebaut war. Bei irgendeinem Zahlungsvorgang muss ich dann aber versehentlich diesen Schalter herunter getreten haben und prompt ging ein stiller Alarm an die Hauptstelle der Bank und an die Polizei. Ich war dann doch sehr irritiert, als mich die Telefonistin der Hauptstelle anrief und fragte, ob alles bei mir in Ordnung sei. Während ich das noch fröhlich bejahte, kamen durch den Eingang zwei Polizisten mit Maschinenpistolen herein, sicherten den Raum und wollten Details zu dem Vorgang von mir hören. Da saß der Schreck dann aber doch tief in den Gliedern.

  • Einbruch im Fischereihafen [LJ]
  • Eines Morgens stellte der Kassierer unserer Zahlstelle im Fischereihafen fest, dass ein Einbruch in die Bankräume stattgefunden hatte. Geld konnte nicht fehlen, da das ja jeden Mittag abgeholt wurde. Weitere nennenswerte Gegenstände gab es in den alten Räumlichkeiten nicht. Dennoch musste natürlich die Polizei gerufen werden, um mögliche Spuren zu sichern. Die Räumlichkeit wurde gründlich durchsucht, aber das einzig auffällige, das die Polizei fand, war ein Stapel Pornohefte, deren Herkunft sich natürlich keiner so recht erklären konnte.


  • Wie alt sind die Fotos? [LJ]
  • Im Laufe der Jahre hatte ich mich in der Bankfiliale empor gearbeitet und verantwortete seit einiger Zeit das Baufinanzierungsgeschäft. Ich durfte zwar Darlehen befürworten, aber die endgültige Zusage erfolgte erst durch die Genehmigung eines weiteren Kompetenzträgers. In der Regel war das der Direktor der Bank, mit dem ich auf derselben Etage das Büro hatte. Da ich noch Anfänger in diesem komplexen Geschäft war, prüfte er meine Vorlagen stets sehr penibel und stellte viele Fragen, um zu testen, ob ich auch alles bedacht und geprüft hätte. So fragte er eines Tages, ob wir Fotos von dem zu finanzierenden Haus gemacht hätten. Eifrig suchte ich die Aufnahmen aus der Sicherheitsakte des Vorgangs und reichte sie dem Direktor zur Einsicht. Er schaute sie sich genau an und fragte dann: „Wie alt sind denn diese Fotos?“ Ich antwortete nach Blick auf die Rückseite der Fotos: „10 Tage“. Er runzelte die Stirn und meinte: „Und wer sagt Ihnen, dass das Haus nicht schon abgebrannt ist?". Ich war anfangs sehr verdutzt, aber antwortete dann: „Ich könnte morgen neue Fotos machen. Allerdings könnte dann übermorgen das Haus abbrennen.“ Daraufhin genehmigte er das Darlehen.
  • Der neue Telefonanschluss [LJ]
  • Der bereits erwähnte Direktor teilte mir eines Tages mit, dass in seinem Büro ein neuer Telefonanschluss installiert werden würde. Als der Techniker kam, verabschiedete sich der Direktor in die vorgezogene Mittagspause und bat mich, ein Auge auf die Arbeiten des Technikers zu werfen. Ich guckte also gelegentlich um die Ecke, deponierte scheinbar Unterlagen und Posteingänge auf dem Tisch des Direktors. Gegen Mittag teilte mir der der Techniker der Post mit, dass ihm ein spezielles Teil fehlen würde. Er wollte es besorgen, dabei seine Mittagspause antreten und später die restlichen Arbeiten vollbringen. Kurz danach kam unser Direktor von seiner Pause zurück und verzog sich in sein Büro. Nach einiger Zeit rief er mich an und bat mich in sein Büro. Ich nahm Platz und erwartete irgendwelche Anweisungen oder Wünsche. Stattdessen fragte er mich: „Fällt Ihnen hier etwas auf?“. Ich wusste natürlich nicht was er meinte, stutze und verneinte. Mit großer Geste zeigte er auf den kleinen Schrank, den der Techniker ein wenig nach vorne gezogen hatte, um besser an den Telefonanschluss zu kommen. “Der Schrank steht nicht an der richtigen Stelle!". Ich wies darauf hin, dass der Techniker noch wieder käme und die Arbeit beenden würde, aber das war dem Direktor nicht genehm. „Ich erwarte nicht, dass Sie den Schrank wieder zu Recht rücken, aber ich erwarte, dass Sie die Ordnung in dem Raum wieder veranlassen!". Ich war dann wirklich zu perplex um darauf eine intelligente Antwort zu geben.
  • Würfeln für das Bauherrenmodell [LJ]
  • Es gab eine Zeit, da konnte man als Bauherr mit sogenannten ,,Bauherrenmodellen" eine Erstattung der Vorsteuer aller Gewerke geltend machen und so in den Genuss einer erheblichen Steuerrückzahlung bekommen - so man denn genug Geld verdiente. Dass an diesen Vorhaben diverse Leute Geld verdienten und die eigentlichen Bauherren erst Jahre später merkten, dass das alles Quatsch war, ist eine Geschichte für sich. Wir waren gefragt worden, ob wir an der Finanzierung eines solchen Bauvorhaben interessiert wären. Da es sich ausnahmslos um gutverdienende Bürger der Stadt und des Umkreises handelte, waren wir gerne dabei. Um das Finanzierungskonzept der Bank vorzustellen, wurden der Prokurist der Filiale und ich zu der ersten Bauherrenversammlung in dem ersten Hotel am Ort eingeladen. Die Initiatoren des Modells erläuterten den Standort, die ausgezeichnete Vermietbarkeit und all die anderen Vorzüge des Projektes. Nach der Vorstellung der Finanzierungsdetails kam man dann zu der Aufteilung der einzelnen Wohnungen. Ein beteiligter Notar sollte festhalten, welcher Bauherr welche Wohnung kaufen würde. Unerwarteter Weise kam es bei den letzten beiden Wohnungen zu Unstimmigkeiten, weil die beiden verbliebenen Kaufparteien sich für die gleiche Wohnung entschieden hatten. Nach einer längeren, fruchtlosen Diskussion, die nun auch allmählich in Streit auszuarten schien, ermahnte der Notar die Runde und klingelte nach dem Oberkellner des zum Hotel gehörenden Restaurants in dem wir tagten. Er bat ihn um Ausleihung eines Würfelbechers und innerhalb von wenigen Minuten ward entschieden, wer welche Wohnung übernimmt.

  • Die Bahnhofstoilette [LJ]
  • Nach einer längeren Umbauphase war die neue Kassenhalle der Filiale nach neustem Design fertig gestellt. Für Kunden und Mitarbeiter gab es eine feierliche Eröffnung der neuen Räume. Hierzu war auch der Direktor der übergeordneten Gebietsfiliale angereist. Würdevoll und fachmännisch prüfend durchschritt der die neuen Räume, begleitet von dem Direktor unserer Filiale. lm letzten Raum angekommen, hier standen einige der Mitarbeiter bei den vorbereiteten Sektgläsern, drehte sich der Gebietsdirektor zu unserem Filialdirektor um und meinte: ,,Es freut mich, dass Ihre Stelle nunmehr endlich das Niveau einer Bahnhofstoilette überwunden hat“
  • Too young to die, too old for Rock ‘n Roll - Eintrag auf dem Saldo-Bild [LJ]
  • In unserer kleinen Stadtzweigstelle hatten wir eine junge Kundin, die zwar immer super cool auftrat, aber stets Probleme mit ihrem Kontostand hatte. Sehr lässig versuchte sie insbesondere den männlichen Kollegen doch noch mal eine Kontoüberziehung abzuquatschen. Sie hatte ein wenig das Flair eines verbrauchten Groupies und war wahrscheinlich auch öfter mal etwas unter Strom. Regelmäßig sah ich ihr Konto auf dem Bildschirm unter den aktuellen Überziehungen. Auf ihrem Kontobild hatten die Kollegen bereits Warnhinweise angebracht, um weitere Inanspruchnahmen zu verhindern. Eines Tages schrieb ich dann in Anlehnung an einen Song von Jethro Tull darunter „Too young to die, too old for Rock ‘n Roll“. Als die Kundin an einem der nächsten Tage wieder am Schalter stand und mit ihrem Ansprechpartner rumflachste, rief der am Bildschirm das Saldobild auf, sah die bereits vorhandenen Vermerke und dann die abgeänderte Songzeile. Er musste dann doch erstmal lachen, überspielte das aber gegenüber der Kundin geschickt. Als die Kassenhalle dann mal leer war, nahm die Story ihren Lauf und diese Zeile wurde eine feststehende Redewendung bei entsprechenden Fällen.


  • Die Schweigetechnik [LJ]
  • Für eine gewisse Zeit war ich Betriebsratsvorsitzender unserer Filiale. Leider ergab es sich zu dieser Zeit, dass die Bank aus Kostengründen die bisher angestellten Reinigungskräfte durch eine externe und günstigere Reinigungsfirma ersetzen wollte. Als Betriebsrat konnte ich das nicht kommentarlos geschehen lassen, wohl wissend, dass ich die Änderung nicht wirklich aufhalten könnte. Aber letztendlich bekamen die betroffenen Damen dann doch noch eine kleine Abfindung. Diese Gespräche führten natürlich zu Spannungen zwischen unserem Direktor und mir. Bei einem dieser Gespräche, wollte er meiner Argumentation nicht mehr folgen und verfiel einfach in Schweigen. Ich weiß nicht, wie lange das tatsächlich dauerte, aber es war sehr verblüffend und beunruhigend. Ich erkannte jedoch sein Schweigen als Gesprächstaktik und blieb nun ebenfalls schweigend vor ihm sitzen. Das war schon sehr anstrengend und brachte meinen Puls heftig nach oben. So verging eine ganze Weile des gemeinsamen Schweigens, bis der Direktor dann irgendwann wieder das Wort ergriff. Ich werde diesen Moment nie vergessen und habe das mal einer Auszubildenden erklärt - und sie dann nur noch schweigend angeguckt. Da wurde ihr ganz mulmig und sie bat mich inständig das zu lassen. Eine in der Tat starke rhetorische Waffe.
  • Über Schwarzgeld kann man sich auch schwarz ärgern [LJ]
  • Ein alleinstehender Kapitän ärgerte sich stets über die Begierde der Finanzbehörden und versuchte über Jahre mit viel Aufwand und großem Misstrauen, seine Guthaben über diverse Banken verteilt den Behörden vorzuenthalten. Auch die entfernten Verwandten durften nichts über diese Gelder erfahren, da sie bereits auf sein sonstiges Vermögen schielten. Als er erfuhr, dass man bei der Bank auch anonyme Tafelpapiere kaufen konnte, kam er eines Tages mit einer Menge Bargeld an und kaufte Rentenfonds als Tafelpapier. Dazu mietete er ein Schließfach, in dem alles deponiert wurde. Dass es sich um "Schwarzgeld" handelte war zwar allen klar, aber zu der Zeit war das noch kein Thema, das meldepflichtig gewesen wäre. All sein Geld machte ihn jedoch nicht glücklich und eines Tages beging er Selbstmord. Nur wenige Tage später tauchten zwei verwandte Damen auf die ahnten, dass es da etwas zu erben gab. Als das Schließfach nach Vorlage des eröffneten Testamentes geöffnet und ausgeräumt wurde, bat man mich um Ermittlung des Gegenwertes. Der Betrag war erheblich und bei einer Verwandten brannte die Gier in den Augen, die andere war eher erschüttert und wollte anfangs von dem Vermögen nichts haben. Die erste Erbin bot eine Ausgleichszahlung in bar an und wollte die Papiere dann komplett übernehmen. Da aber kam der Entschluss der anderen Seite: „Wir machen eine Selbstanzeige und regeln das alles offiziell.“ Da sah man den Blutdruck förmlich durch die Adern schießen und die Stimmung ging tief in den Keller. Das Ende vom Lied: Erhebliche Teile des Vermögens gingen für die Nachbesteuerung verloren, weitere, große Beträge fielen für die Erbschaftsteuer an, so dass letztendlich nur noch knapp die Hälfte übrig blieb. Hätte der Verstorbene das auch nur ansatzweise geahnt, was hätte er sich für ein gutes Leben ohne Angst vor dem Finanzamt leisten können.
  • Die sparsame Ehefrau und des Ehegatten Schließfach [LJ]
  • Das Thema "Schwarzgeld" hat sicher viele Kunden bewegt und man muss gestehen, dass die Banken mit dem Frust gegenüber dem Finanzamt durchaus auch gerne Geschäfte machten. Sicher wies man stets darauf hin, dass Vermögen und Erträge auch bei Tafelgeschäften oder Auslandsanlagen zu deklarieren waren, aber das interessierte natürlich die Betreffenden nicht und sie empfanden es mehr als ein Spiel gegen das Finanzamt. So auch jener selbständige Geschäftsmann, dem es über Jahrzehnte gelang, durch viele Steuerprüfungen hindurch - das Amt hatte ihn stets in Verdacht - immer wieder schwarze Einnahmen zu machen. Es war schon fast ein Sport, den er sich daraus machte. In größeren Abständen stockte er seine Bestände an Tafelpapieren auf, lehnte aber ein Bankschließfach stets ab. Jahre später wurde er schwer krank und er wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Nun sammelte er all seine versteckten Vermögenswert ein, nahm ein Schließfach bei der Bank und fügte den Unterlagen einen Brief an seine nichts ahnende Ehefrau bei. Er bat mich, wenn es soweit wäre, seiner Ehefrau zu erklären, was sie dort vorfinden würde. In all dieser Zeit haben er und seine Familie ein durchschnittliches Leben geführt, da jede Form von Luxus zu schwierigen Fragen der Finanzbehörden geführt hätte. Als seine Ehefrau Wochen nach seinem Tod sich bei mir ankündigte, wusste ich, dass da ein schwieriges Gespräch auf mich zukommen würde. Die Frau bat mich, das Schließfach in meiner Gegenwart zu öffnen. Stück für Stück nahm sie die Unterlagen heraus, die ihr gar nichts sagten. Still las sie den Brief ihres Gatten und weinte dabei. In der Annahme, dass ihr Mann wohl eine kleine Rücklage für alle Fälle für sie deponiert hatte, bat sie mich um Ermittlung des Gegenwertes der vorhandenen Papiere. Beim Ausrechnen der Summe war ich selbst erstaunt, wieviel Geld da im Laufe der Jahre zusammen gekommen war. Als ich der Ehefrau die unerwartet hohe Summe nannte, brach sie fast zusammen und wollte es nicht glauben. Stück für Stück erklärte ich ihr anhand der vorliegenden Kaufbelege, dass dieser Betrag über viele Jahre so zusammen gekommen war. Nach der Fassungslosigkeit kochte auf einmal Wut in ihr hoch. Jahre der Sparsamkeit, wenig Urlaub, viele unerfüllte Wünsche und das alles für ein Versteckspiel mit dem Finanzamt. Soviel gemeinsame Lebensqualität ist hier unwiederbringlich verloren gegangen.

  • Das gekaufte Haus bringt ihn noch um [LJ]
  • In meiner Zeit in der Baufinanzierungsabteilung der Bank habe ich immer versucht, die Wünsche der Kunden nicht nur finanziell zu betrachten. Manch einen konnte ich von gewagten Altbausanierungen oder einem Totalumbau eines alten Bauernhauses in Eigenregie abhalten. Doch als ich die Finanzierung eines normalen Reihenhauses für eine Familie in geordneten Verhältnissen genehmigte, hatte ich keinen Anlass über die Verhältnismäßigkeit des Hauskaufs nachzudenken. So war ich dann doch sehr erstaunt, als der Kunde eine Woche nach der Hausübernahme sichtlich geschwächt bei mir vorsprach und darum bat, den Kauf und die Finanzierung rückgängig zu machen. Die neue Last und Verantwortung hatte ihn an den Rand eines Herzinfarktes gebracht und ich spürte, dass sich dies nicht nach einer kurzen Gewöhnungszeit erledigen würde. Ich sprach mit dem Verkäufer, dem Notar, dem Makler und unserem Direktor und gemeinsam ermittelten wir die nicht unerheblichen Kosten dieser Rückabwicklung. Ohne das Verständnis des Verkäufers wäre es gar nicht möglich gewesen, aber er bestand zu Recht auf die Wiederherstellung eines in Angriff genommenen Wanddurchbruchs. Die verlorene Grunderwerbsteuer, neue Notar- und Gerichtskosten, Bearbeitungskosten der Bank und die Bauarbeiten summierten sich zu einem erheblichen Betrag. Aber der Kunde bestand darauf die Verträge rückgängig zu machen. Als alles erledigt war, bedankte er sich herzlich und man sah ihm die Erleichterung an. Wer weiß, vielleicht hätte ihn das Haus tatsächlich umgebracht.
  • Wie ein Kfz-Brief als Sicherheit helfen kann [LJ]
  • Als junger Kreditsachbearbeiter bearbeitete ich einen rückständigen Kredit eines jungen Mannes. Er hatte über die Bank einen flotten Gebrauchtwagen finanziert und bisher nicht eine einzige Rate dafür gezahlt. Auf die bisherigen Mahnungen hatte er nicht reagiert. Soviel Dreistigkeit erboste mich und ich schlug dem Filialleiter vor, dass wir mit dem als Sicherheit hinterlegten Kfz-Brief den jungen Mann auf seiner Arbeitsstelle aufsuchen und ihm den Wagen wegnehmen sollten. So fuhren wir zu zweit in den Landkreis zu einer Bäckerei wo der junge Mann arbeitete. Er war sehr verdutzt als wir ihn fragten, warum er seine Raten nicht bezahlen würde und auf unsere Schreiben nicht reagiert hätte. Er druckste unwillig herum, was mich dann veranlasste, ihn um den Schlüssel des Wagens zu bitten. Wir gaben ihm Gelegenheit, seine persönlichen Sachen aus dem Auto zu holen, teilten ihm mit, dass wir das Auto bis zu einer Klärung des Rückstandes behalten würden und fuhren dann mit dem Wagen zurück in die Stadt. Dort stellten wir ihn bei dem Händler ab, der den Verkauf seinerzeit vermittelt hatte. Gleich am nächsten Tag rief der Inhaber der Bäckerei an und beschimpfte uns wegen unserer Vorgehensweise. Er hatte durchaus Recht, wir hätten das Fahrzeug erst amtlich beschlagnahmen müssen, anstatt es einfach dem verdutzten Eigentümer weg zu nehmen. Aber letztendlich versprach der Bäcker, die monatlichen Raten direkt vom Gehalt des jungen Mannes an uns zu überweisen. So durfte er dann einige Tage später seine Autoschlüssel wieder bei uns abholen. Danach gab es keine weiteren Rückstände bei diesem Kredit. Allerdings rüffelte uns unsere Kreditabteilung für unser eigenwilliges Vorgehen. Aber als Anekdote hat sich der Fall lange noch gehalten.

  • Die Vernissage und die Lasagne [LJ]
  • Eine junge Mitarbeiterin, die sich gerne modisch schick kleidete und immer recht selbstbewusst auftrat, unterhielt sich am Bankschalter mit einer jungen Kundin, die ebenfalls sehr von sich überzeugt war und gerne ihren Umgang mit der High Society der Stadt erwähnte. Im Verlauf der Unterhaltung sagte die Kundin: ,,Wir waren gestern zu einer Vernissage mit guten Freunden eingeladen." Darauf antwortete die Kollegin: „Oh, wie nett. Wir hatten gestern eine Lasagne.“ Nur mühsam konnten sich die Kollegen in Hörweite beherrschen und die Geschichte wurde noch oft wieder gegeben.

  • Der schreiende Kunde und die Schweigetechnik [LJ]
  • Ein Kunde regte sich bei einem Kollegen über eine ungünstig verlaufende Anlage auf. Die beiden saßen in einem kleinen Besprechungszimmer - bei geschlossener Tür - und alle in der Kassenhalle - Mitarbeiter wie Kunden - hörten mit an, wie der junge Mann sich dort immer lauter beschwerte und offensichtlich völlig die Contenance verlor. Ich war stellvertretender Leiter der Abteilung und die Kollegen sprachen mich an, ob es wohl angebracht wäre, die Polizei zu rufen. Ich kannte den Kunden als Sohn einer guten Kundin, der bereits ein Studium abgebrochen hatte und sich eben als „Sohn einer guten Kundin“ aufführte. Das mit der Polizei war keine sinnvolle Idee und ich beschloss, den Kollegen zu befreien. Ich betrat das Besprechungszimmer und stellte mich als "Leiter" der Abteilung vor und fragte nach dem Hintergrund der Beschwerde. Nebenbei bedeutete ich dem gestressten Kollegen, das Zimmer zu verlassen. Der Kunde fing erneut an mir seine Verärgerung über angefallene Kursverluste seiner Anlage darzulegen und die Schuld dafür dem vorherigen Kollegen anzulasten. Erneut steigerte sich seine Wut in immer lautere Beschimpfungen gegen die Bank. Ich merkte, dass er für Argumente nicht zugänglich war und besann mich einer Gesprächstechnik aus einem Seminar, die ich auch schon mal leidvoll als Betriebsratsvorsitzender im Umgang mit unserem Filialdirektor erlebt hatte: Die Schweigetechnik. Ich sah dem Kunden ins Gesicht, vornehmlich in die Augen und gab keine Erwiderung zu seinen Aussagen, egal wie laut er wurde (die Kollegen draußen bestätigten mir später eine besorgniserregende Lautstärke). Nach einigen Minuten - die mir allerdings wie Stunden vorkamen - ermüdete der Kunde und wurde zunehmend ruhiger. Nun fing ich an, auf seine Vorwürfe zu antworten und versprach ihm die Überprüfung seiner Vorhaltungen und die Vereinbarung eines neuen Gespräches. Erschöpft aber irgendwie auch erleichtert willigte der Kunde ein und eine Woche später konnten wir den Vorgang einvernehmlich regeln. Seitdem waren wir quasi beste Freunde und hatten nie wieder Differenzen.

  • Warum ein verschwundener Schlüsselnachweis billiger wäre [LJ]
  • Es ergab sich, dass ich meine Ausbildung in einer kleinen Stadtzweigstelle begann und dort nach einigen Jahren auch stellvertretender Leiter der Stelle wurde. Nach weiteren Ausbildungsbereichen in der Bank fragte mich unser neuer Direktor, ob ich mir die Leitung dieser Stelle vorstellen könnte. Ich hatte keine Ahnung, wie man eine Geschäftsstelle leitet. Zum Beispiel dachte ich spontan darüber nach, wer denn wohl für den Nachschub von Toilettenpapier zuständig sein würde und wie ich es als junger Mitarbeiter schaffen sollte, langjährigen Kollegen ein ernstzunehmender Chef zu sein. Auf dem Höhepunkt dieser Zweifel sagte ich also: „Klar, vielen Dank!“. Und so fand ich mich kurze Zeit später als Chef der Stelle wieder in der ich meine Ausbildung begonnen hatte. Da die Stelle mit einem tollen Team besetzt war und die mich irgendwie auch mochten, war ich dann wohl doch nicht so ein schlechter Chef. Wie auch immer, nach einiger Zeit bekamen wir Besuch der gefürchteten Revisionsabteilung. Sie prüften alles rauf und runter und ohne die profunden Kenntnisse der Mitarbeiter wäre ich bestimmt in einige Fallen gestolpert. Irgendwann war dann die Prüfung der Schlüsselkarten für die Safes der Bank fällig. Dabei fiel einem Revisor auf, dass ich vor einigen Jahren schon mal als Stellvertreter der Stelle tätig gewesen war. Somit hatte ich jeweils den zweiten Schlüssel zu den drei Tresoren gehabt. Als Leiter hatte ich nun jeweils den ersten Schlüssel und die Kombination der Zahlenschlösser erhalten. Als findiger Betrüger hätte ich also vor Jahren bereits einen Abdruck der Gegenschlüssel machen können und wäre somit als Leiter der Stelle Jahre später in der Lage gewesen, die Tresore nun allein zu öffnen. Ein unglaublicher Verstoß gegen die Richtlinien. Alle Schlösser der Tresor mussten ausgewechselt werden und die Kombinationen mussten neu eingestellt werden. Das kostete natürlich richtig viel Geld. Als ich nach der Umstellung den Revisor fragte, was eigentlich passiert wäre, wenn ich die alten Nachweiskarten der Schlüssel und der Kombination mit meiner Unterschrift vernichtet hätte, so sagt er: ,,Das hätte einen Minuspunkt wegen nicht auffindbarer Schlüsselkarten zur Folge gehabt, also maximal eine Reduzierung von befriedigend auf ausreichend - somit ein Rüffel der Geschäftsleitung statt einer mehrere Tausend teuren Tresorumstellung" Wie soll man das im Voraus wissen?
  • Der Krügerrand aus der Schweiz [LJ]
  • Ein sehr guter Kunde fragte mich in einem vertraulichen Gespräch, wie er denn Geld aus der Schweiz nach Deutschland transferieren könnte. Ich erklärte ihm, dass alle Transferzahlungen zwischen der Schweiz und Deutschland über die Bundesbank laufen und somit registriert würden. Im Rahmen möglicher Amtshilfe könnten andere Behörden des Bundes, z. B. das Finanzamt diese Daten erfragen. „Und was könnte man anderes machen?“ fragte der Kunde. Mehr im Scherz antwortet ich: "Sie müssten Ihr Geld in Krügerrand (afrikanische Goldmünzen) tauschen und unbemerkt über die Grenze nach Deutschland bringen. Dann könnten wir Ihnen diese Münzen einfach abkaufen" (Das Geldwäschegesetz war damals noch nicht in Kraft). Wochen später sprach mich der Kunde erneut an. Er wäre beruflich sehr angespannt und könnte nicht in die Filiale kommen. Da ich aber nicht weit von ihm entfernt wohnen würde, wäre es doch vielleicht möglich, dass ich abends mal ein paar Goldmünzen von ihm mitnehmen würde, um sie am nächsten Tag als Verkaufserlös auf sein Konto einzuzahlen. Seinerzeit wurde das alles nur auf dem Papier enger gesehen und ich kannte den Kunden gut. So sagte ich also nichts ahnend zu, dass sich das wohl machen ließe. Spät abends klingelte es an meiner Tür und der besagte Kunde reichte mir einen Koffer, der in meiner Hand unverhältnismäßig schwer wog. Er bedankte sich für meine Hilfe und den Koffer könne ich auch behalten. Verdutzt erwiderte ich, dass der Transport nicht von der Bank gedeckt sei und ich am nächsten Morgen ja auch mit dem Goldschatz Richtung Afrika verschwinden könnte. Der Kunde lächelte und sagte: „Sie machen das schon.“ Und so war es dann auch.
  • Eines Tages an der Kasse im Supermarkt [LJ]
  • Ich stand an der Kasse meines heimischen EDEKA-Marktes und hatte meine Waren auf das Transportband vor der Kasse ausgebreitet. Vor mir war eine elegante Dame, die ich als Kundin unserer Bank wohl kannte. Da ich sie aber nur gelegentlich bedient hatte und nicht ihr direkter Berater war, kannte sie mich nicht oder nahm mich zumindest nicht zur Kenntnis. Der Kassierer scannte ihre Ware ein und nannte ihr schließlich den Gesamtbetrag. Die Dame kramte in ihrer Tasche, zog ein Portemonnaie hervor und wurde dabei zusehends nervös. Es war offensichtlich das falsche Portemonnaie ohne ausreichend Bargeld und insbesondere ohne EC-Karte. Man sah ihr an, dass ihr eine solche Situation noch nicht vorgekommen war und sichtlich nervös erklärte sie dem Kassierer die Situation. Der blieb eher ungerührt, fragte, wie es denn nun weiter gehen solle, und machte Anstalten, die Waren bei Seite zu räumen. Die Kundin war sehr irritiert und hilflos. Da nahm ich aus meinem Portemonnaie zwei größere Geldscheine, reichte sie der Dame und sagte: „Die Dame ist Kundin unsere Bank und ich bin sicher, dass ich meine Auslage wieder zurück erhalten werde.“ Die Kundin guckte mich höchst erstaunt aber auch sehr erleichtert an, durch die Reihe der Wartenden, die natürlich die peinliche Situation sichtlich genossen, ging ein Raunen. Die Dame konnte also ihren Einkauf mitnehmen und bedankte sich - für alle hörbar - für diesen außergewöhnlichen Service ihrer Bank. Natürlich habe ich am nächsten Tag mein Geld erhalten und die Kundin bedankte sich ich Gegenwart aller Kollegen für meine Hilfe. Ein Erlebnis, das sich wohl kaum jemand trauen würde als Werbespot in Szene zu setzen und von dem manch ein Banker träumt.

  • Der Garten in der Bank [LJ]
  • Der Nachbar unseres Reihenhauses hatte sich in dem Bereich Planung und Ausführung von Pflasterarbeiten selbständig gemacht. Für Terrassen- und Gartenplanungen hatte er noch einen Partner, der sehr schöne Gartenanlagen entwarf. In dieser Gründungsphase war natürlich Werbung für meinen Nachbarn eine wichtige Maßnahme. Der er unsere kleine Terrasse sehr ansprechend neu gestaltet hatte, wollte ich gerne für ihn Werbung machen. Ich fragte ihn, ob er es sich vorstellen könnte, in der kleinen Bankfiliale, die ich zu der Zeit leitete, einen Mini-Garten mit Terrasse anzulegen. Was anfangs wie eine Schnapsidee klang, nahm dann aber bald konkrete Züge an.
    Ich holte mir die Genehmigung der Geschäftsleitung ein – heute so kaum noch denkbar – und dann wurde geplant. Ein Teil der kleinen Kassenhalle wurde mit wasserfester Folie ausgelegt und dann wurden Erde, Klinker und Pflanzen zu einer kleinen bepflanzten Terrasse in der Bank verarbeitet.
     Wir erhielten damals viel Zustimmung von den Kunden und für meinen Nachbarn war es eine gute Werbung.


  • Das ostfriesische Verkaufsgespräch [LJ]
  • Zur Formung und Festigung von Verkaufsgesprächen veranstaltete die Bank hin und wieder externe Seminare in hierzu angemieteten Konferenzräumen ländlicher Hotels. Dabei wurden Fachthemen erörtert und Gesprächsführungen geübt. Letzteres war recht unbeliebt bei den Teilnehmern, weil die fingierten Gespräche auf Video aufgenommen und anschließend vom Seminarleiter kritisch kommentiert wurden. Kaum jemand fühlte sich vor der laufenden Kamera wohl. Bei einem der Seminare ging es um Gespräche bei der Kreditvergabe und eine Teilnehmerin aus dem ostfriesischen Raum und ich wurden ausgewählt das Rollenspiel vorzutragen. Die Kollegin sollte die Kundin spielen und ich den Berater. Wir erhielten für die Vorbereitung individuelle Blätter mit Vorgaben für die jeweilige Rolle. Hierin waren dann oftmals kleine Probleme oder Verhaltensvorgaben für die Kundenseite und zu erreichende Gesprächsinhalte für den Berater enthalten. Es ergab sich, dass die Vorbereitungszeit für uns mit einer Pause für alle Teilnehmer zusammenfiel. Wir nutzen die Gelegenheit und sprachen uns ab. Die Kollegin sollte die ganze Zeit über nur ostfriesisches Plattdeutsch sprechen und ich würde versuchen, den Ruhrpott-Dialekt von Jürgen von Manger, alias Adolf Tegtmeier – zu der Zeit eine beliebte Kabarettfigur – durchzuhalten. Obwohl es recht schwer ist in der gewählten aber nicht eigenen Mundart zu bleiben, während der Gesprächspartner in einem anderen Dialekt antwortet, gelang uns das Gespräch recht gut. Zumindest ernteten wir reichlich Applaus und das Video wurde am Abend in der Freizeit nochmal mit viel Gelächter angeschaut. Der sonst üblichen kritischen Begutachtung des Gesprächsinhaltes waren wir auf jeden Fall entkommen.


  • Schwimmen vor Dienstbeginn [LJ]
  • Es kam nicht sehr oft vor, dass man mit unserem Direktor ein ausschließlich angenehmes Gespräch hatte. An diesem Tag war es jedoch so. Er lobte meine Arbeit und mein Engagement und sagte dann, dass es an heißen Sommertagen sehr angenehm sei, wenn man vor der Arbeit im nahe gelegenen Stadtbad noch ein paar erfrischende Runden schwimmen würde. Ich könnte das gerne machen, da hätte er nichts gegen. Ich bedankte mich für die nette Idee und verabschiedete mich. Dabei sagte er dann: „Das Bad öffnet ja bereits um 6:00 Uhr und wenn es doch mal etwas später wird, hängen Sie die Zeit abends einfach dran.“


  • Der neue Direktor [LJ]
  • Zur allgemeinen Überraschung wurde uns eines Tages mitgeteilt, dass wir einen zweiten Direktor bekommen würden. Beide sollten gleichberechtigt sein und bestimmte Aufgabengebiete übernehmen. Der neue Mann käme aus Hongkong und wäre im internationalen Geschäft sehr erfahren. Was soll der bei uns in der Provinz? Das war wohl die erste Frage. Die zweite Frage war natürlich: „Was wird uns das bringen?“. Eines Tages war es dann soweit. Unser Prokurist hatte von kundigen Handwerkern einen zusätzlichen Raum in der 1. Etage mit Leichtbauwänden von dem Großraum abtrennen lassen. Die Begrüßung fiel dann gleich etwas nüchtern aus. In dieser Telefonzelle werde er nicht Platz nehmen, das sei schon mal klar. Sprach’s und ließ sich den wesentlich größeren Konferenzraum provisorisch einrichten. An der Stirnseite des viel zu großen Konferenztisches stellte er einen Chefsessel und auf den Tisch kam eine chinesische Drachenfigur. Das fing ja gut an.
    Zu dieser Zeit war ich für das Baufinanzierungsgeschäft zuständig und mein Arbeitsplatz lag seinem Raum gegenüber. Er verkündete die Politik der offenen Tür, die nur bei vertraulichen Gesprächen geschlossen werden würde. So kam er dann öfter spontan aus seinem Raum geschossen und fragte, was denn so anliegen würde. Er frotzelte mit unserer Chefsekretärin, die das sichtlich irritierte. Solche Töne war sie bisher nicht gewohnt. Bei einer solchen Gelegenheit erklärte ich ihm, dass ich nachmittags mit der Fähre auf die andere Weserseite fahren müsse, um dort ein von uns zu finanzierendes Haus zu besichtigen und zu fotografieren. „Interessant, habe gerade noch nichts vor. Da komme ich mit. Dann sehe ich was von dem Gebiet und Sie können mir etwas zu unserem Standort erzählen.“ Na denn. An der Fähre ergab es sich, dass sehr viele Fahrzeuge vor uns waren und wir die nächste Fähre nehmen müssten. Ich fragte, ob wir das Vorhaben vielleicht vertagen wollten, aber er hatte keine Eile und so standen uns also gute 20 Minuten Wartezeit bevor. Er erkundigte sich nach einigen Aspekten der Stadt und der Umgebung und recht temperamentvoll gab er dann seine kritische Meinung über seinen Direktor-Kollegen und weitere Mitarbeiter von sich. Irgendwann gab ich zu verstehen, dass ich als Betriebsratsvorsitzender keine Kommentare zu seinen Bewertung geben wollte. Er stutzte und sagte dann: „Wenn Sie jemals irgendetwas von unserem Gespräch weitergeben, ersäufe ich Sie eigenhändig in der Weser!“. Das war eine klare Ansage und ich hielt die Drohung nicht für besonders übertrieben.
    Man muss sagen, er war temperamentvoll, voller Energie und wenig diplomatisch, aber er kannte sich im Geschäft aus. Man konnte ihm nichts vormachen und wenn man gute Argumente hatte, stand er voll hinter den Mitarbeitern, es sei denn, er hatte gerade Lust jemanden zu ärgern.
    Er wurde dann eines Tages ziemlich spontan zu einer anderen Filiale abberufen, die gerade ein großes Problem hatte. Kurz vorher versetzte er mich noch von der Baufinanzierungsabteilung in die Leitung einer kleinen Stadtzweigstelle, was ich nicht hätte ablehnen können und was mir in dem Moment auch nicht ganz geheuer war. Aber letztendlich führte das zu meiner besten Zeit in der Bank. Also, vielen Dank Marzipan-Jack – so nannte ich ihn, wenn er nicht dabei war.


  • Kienzle und Hauser [LJ]
  • Im Private Banking war ich mitunter auch für Kundenveranstaltungen zuständig. In den guten Zeiten legte die Bank Wert auf fachkundige Referenten aus dem eigenen Konzern, eine gute Location mit besonderer Beköstigung der Kunden. Die ortsansässige Sparkasse und auch eine andere Regionalbank suchten sich des Öfteren bekannte Referenten aus den Medien oder der Politik aus und erzielten damit guten Zuspruch auch von Nichtkunden. Als nun eines Tages mal wieder das Thema anstand, fragte ich meinen Chef, ob wir nicht auch mal etwas Ausgefalleneres machen sollten. Er meinte, ich könne mir ja mal etwas einfallen lassen. So kam es denn, dass ich eines Tages das ZDF anrief und mich erkundigte, ob die Herren Kienzle und Hauser als Referenten für eine Bankveranstaltung in Frage kämen. In der Zeit zwischen 1994 und 2000 moderierten die beiden das Politikmagazin FRONTAL. Kienzle stand der SPD nahe und Hauser der CDU. Sie kämpften in der Sendung beinahe gegeneinander, aber stets fair und sehr publikumswirksam. Die beiden oder zumindest einen von ihnen für eine Kundenveranstaltung zu gewinnen, wäre ein echter Magnet gewesen. Allzu viel versprach ich mir nicht, fand den Versuch aber spannend. Die verantwortliche Mitarbeiterin des ZDF war sehr nett und fand die Idee gut. Sie versprach sich zu kümmern und würde sich wieder melden. Wenige Tage später kam von ihr das Okay. Auf meine Frage, was denn an Honorar zu erwarten wäre, nannte sie mir DM 20.000,--. Das wäre aber kein Problem, da bei zu erwartenden 2.000 Zuschauern der Aufwand mühelos durch Eintrittsgelder wieder eingenommen werden könne. Als Veranstaltungsort kam somit nur die hiesige Stadthalle in Frage. Ich schluckte etwas, war aber von der Zusage auch begeistert und berichtete meinem Chef. Der verlor alle Farbe aus dem Gesicht, gestattete mir dann aber, die Idee an vorgeordneter Stelle einzureichen. Trotz Hinweis auf die Popularität der beiden Moderatoren und des denkbaren Eintrittsgeldes wurde die Idee wegen des erheblichen finanziellen Risikos abgelehnt. Ich bedankte mich bei der netten Gesprächspartnerin des ZDF und sagte ab.
    Einige Tage später meldete sie sich erneut bei mir. Herr Kienzle würde die Stadt gut kennen und hätte große Lust zu einer Veranstaltung. Er wäre bereit, die Moderation zum halben Preis zu machen. WOW das war natürlich eine tolle Nachricht. Aber die Entscheider in der Bank hatten keinen Mut und so blieb diese Idee also letztendlich eine Anekdote.
  • Unter Königen [LJ]
  • Im Jahr 1999 teilte sich die Bank in zwei neue Institute für die mittlere und die gehobene Kundschaft, das sogenannte Private Banking. Ein Vorgang, der von Kunden wie Mitarbeitern als Fehler gesehen und dann nach etwa 5 Jahren auch wieder rückgängig gemacht wurde. Beiden Instituten wurde intern dargelegt, es sei jeweils das überlebensfähigere und das andere würde wohl irgendwann abgespalten werden. Das führte zunehmend zu echtem Konkurrenzverhalten zwischen Mitarbeitern, die zuvor alle an einem Strang gezogen hatten. Für mich ergab sich die Situation, dass ich eines Tages in das Private Banking wechselte. Da sich dort die Produkte und die Beratungstechnik deutlich verändert hatten, sollte ich gleich zu Anfang ein Seminar belegen, in dem die neuesten Entwicklungen präsentiert wurden. Die Seminarteilnehmer kamen aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands und in den Pausen tauschte man sich aus über Herkunft und Tätigkeit, etc. aus. Dabei erzählte ich einem Kollegen, dass ich erst vor kurzem in das Private Banking gewechselt habe. Darauf sah er mich kritisch an und sagte: „Wäre es nicht besser gewesen, der König unter den Ärschen zu sein, als der Arsch unter Königen?“ Soviel Borniertheit hat mich dann tatsächlich sprachlos gemacht.
  • Weltspartag [LJ]
  • Der Weltspartag sollte ja eigentlich ein Tag für die jungen Sparer sein. Kinder und Jugendliche sollten für den Erfolg ihrer Sparleistung mit kleinen Präsenten oder Aufmerksamkeiten belohnt werden. Die Sparkassen und Volksbanken überboten sich an diesem Tag mit Plüschtieren, Etuis, Kugelschreiber und vielen anderen Geschenken. Die Privatbanken waren da eher zurückhaltender, konnten sich dem Tag aber nicht entziehen.
    So kamen also Eltern mit ihren Zöglingen ließen artig das Sparbuch nachtragen und freuten sich über Präsente und Süßigkeiten. Dann gab es aber auch die, die einfach nur scharf auf die Geschenke waren, egal wie sinnvoll oder werthaltig die auch waren. Da gab es dann so Aussagen wie: „Ich habe gerade die Enkelkinder zu Besuch, die müssen natürlich auch etwas bekommen….., mein/e Tochter/Sohn kann nicht kommen, ich nehme die Geschenke dann für die gleich auch mit……., haben Sie nichts besseres?.....ich will den Schnickschnack den Kindern nicht wegnehmen, haben Sie nicht etwas Besonderes für die guten Kunden?“
    Ganz dreist waren dann die Anrufer: „Ich kann heute nicht kommen……../Ich glaube, Sie haben heute schon genug zu tun, legen Sie mir doch einfach etwas Nettes bei Seite, ich komme dann nächste Woche vorbei.“
     Aber den Vogel schoss dann doch eine Ärztin ab, die ohnehin schon als unhöflich und giftig verschrien war. Sie kam morgens in die Bank und fragte nach den Geschenken. Als man ihr sagte, dass es dieses Jahr nur Spardosen und kleine Teddys für die Kinder gäbe, sah sie auf dem Kundenschalter die bereit gestellten Süßigkeiten für die Kleinen, nahm die Schale und schütte den gesamten Inhalt in ihre Handtasche. Dann verließ sie die Bank und ließ fassungslose Mitarbeiter am Tresen zurück.
  • Die Lügen-Datei [LJ]
  • Diese Geschichte stammt aus der Zeit nach der Finanzkrise 2008 und ist nicht zum Schmunzeln. Ich schreibe sie dennoch auf, weil sie die Stimmung und Unsinnigkeit in dieser Zeit wiederspiegelt.
    Die Kunden waren noch geschockt von den Kurseinbrüchen, viele hatten erhebliche Verluste durch komplizierte Zertifikatkonstruktionen oder durch geschlossene Beteiligungen erlitten. Somit hielten sie sich mit neuen Anlagen in Wertpapieren zurück und die Provisionserträge gingen in den Keller. Die Regionsleitung ordnete Telefonkonferenzen, „Morning-Huddles“, „Jour fix“, Listen über Erträge und Terminvereinbarungen an. Wenn ein Kunde anrief und seinen Besuch wegen einer Frage zu einem Zeitungsartikel oder einer Buchung auf seinem Kontoauszug ankündigte, so wurde hieraus gleich ein vereinbarter Kundentermin gemacht, um die Quoten zu erfüllen. Der Chef kam mehrmals am Tag in unser Büro und fragte nach den vereinnahmten Erträgen. Zum Wochenende hin wurde er dann immer recht nervös, weil noch X Euro zum Wochenziel fehlten. Schließlich musste er seinem Regionalleiter einen monatlichen Plan erstellen, aus dem hervorging mit welchen Maßnahmen das Team die viel zu hoch gesteckten Ziele wohl erreichen würde. Immer wieder nervte er mit der Frage, was wir denn nun machen würden. Schließlich erstellte ich mit EXCEL eine Tabelle mit verschiedenen automatischen Rechenfunktionen. Gab ich in dem Feld „Summe Erträge“ eine Zahl ein, so errechnete die Tabelle in welcher Geschäftsart wieviel Ertrag anfällt. Die prozentuale Zuordnung zu den Geschäftsarten (Wertpapierverkäufe, Abschluss von Versicherungen oder Bausparverträgen, etc.) konnte ich verdeckt je nach Bedarf zuvor noch verändern. Als ich ihm das erste Mal das Tabellenblatt ausdruckte, war er sofort begeistert und nutzte die Unterlage für seine Telefonkonferenz. Auch meine Erklärung, dass die Tabelle willkürlich irgendwelche Zahlen liefere und nichts mit der Realität der Marktverhältnisse und den Kundenreaktionen zu tun hätte, linderte seine Begeisterung nicht. Und so lieferte ich ihm regelmäßig einen Ausdruck mit leicht veränderten Eingaben. Wir nannten das dann nachher unsere „Lügen-Datei“. Vorsorglich lieferte ich kurz danach auch gleich die Argumente, warum wir die prognostizierten Ziele nicht erreicht hätten

Wir waren in unserem Ausbildungsjahrgang zu zweit und machten gerne mal ein paar Späße mit unseren Kollegen. Eine weitere Auszubildende, die bereits ein Jahr vor uns angefangen hatte, hatte an einem Tag Dienst in der sogenannten "Annahme". Das war eine Stelle an dem langen Bankschalter, der sich über die ganze Breite der Kassenhalle erstreckte, an der eine tiefergelegte Arbeitsplatte die lange, polierte Holzplatte unterbrach. An dieser Einbuchtung konnte ein Mitarbeiter wie an einem Schreibtisch sitzen und nahm dann Überweisungen, Post oder sonstige Unterlagen entgegen. Hier meldeten sich die Kunden auch an, wenn sie einen bestimmten Mitarbeiter sprechen wollten.

Als wir eine Frühstückspause machen wollten, fanden wir im externen Treppenhaus auf einem Heizkörper eine Werbesendung mit einer Probepackung für Damenbinden. Irgendjemand hatte sie aus seinem Briefkasten genommen und hier abgelegt. Wir wollten uns nun einen Scherz erlauben und verpackten den Umschlag in einem neutralen DIN-A4 Umschlag und schrieben darauf den Namen der Bank und adressierten die Sendung zu Händen des Abteilungsleiters, der für den Bereich der Kassenhalle zuständig war. Wir deponierten den Umschlag in einem unbewachten Moment auf dem Tisch der Annahme und legten uns auf die Lauer. Unsere Kollegin fand den Brief, versah ihn ordnungsgemäß mit einem Eingangsstempel und brachte ihn zum Arbeitsplatz des Abteilungsleiters. Als dieser wieder an seinem Tisch Platz nahm, fand er den Umschlag, öffnete ihn, guckte hin, ließ dann seinen Blick durch die Kassenhalle gleiten und bat die Kollegin aus der Annahme zu sich. Sie konnte zu der Herkunft des Briefes keine Angaben machen, musste aber doch lachen, als sie den Inhalt gezeigt bekam. Sie hatte auch gleich eine Ahnung, wer da wohl hinter steckte, sagte aber nichts. Auch der Abteilungsleiter, der durchaus Sinn für Humor besaß, hatte diese Ahnung, musste aber selber auch lächeln. Unter irgendeinem Vorwand bestellte er uns beide zu sich und ließ uns nebenbei wissen, dass er uns irgendwann schon einmal erwischen würde.

Eben jener Abteilungsleiter sprach uns eines Tages an, ob wir Lust hätten, am Wochenende eine zünftige Runde Skat bei ihm zuhause zu spielen. Seine Ehefrau hatte eine Verabredung und da könnte man einen geselligen Abend machen. Wir hatten nichts Besonderes vor und fanden den Gedanken ganz amüsant. So fuhren wir an dem Abend mit dem Zug zu ihm in den nahen Landkreis. Wir aßen eine Kleinigkeit und dann begann der Skatabend. Unser Abteilungsleiter fragte, was wir trinken wollten und bot uns einen Whisky an. Davon hatte er einige Flaschen auf einem Regal stehen. Er hatte sie bei Skatturnieren gewonnen, mochte aber gar keinen Whisky. So könnten wir uns ruhig ordentlich bedienen, es sei ja genug da. Für uns war Whisky ein Getränk, was man sich normaler Weise nicht leisten konnte und so griffen wir ordentlich zu. Wir spielten nicht schlecht, hatten aber wenig Chance gegen den Skatprofi. Mit zunehmendem Whisky-Konsum war uns das jedoch auch völlig egal.

Am nächsten Morgen wachte ich zuhause auf und konnte beim besten Willen nicht rekonstruieren, wie ich wohl nachhause gekommen war. Ein Blick in mein Portemonnaie zeigte mir, dass da ein Geldschein fehlte, der vielleicht für eine Taxifahrt verwandt worden war. Ich machte erstmal einen langen Spaziergang und rief dann meinen Mitstreiter an. Der war ganz verwundert, weil er dachte, ich hätte den Abend besser überstanden. "Wir sind doch mit dem Taxi zurück und der Fahrer hat sich noch in dem dichten Nebel verfahren." Am Montag in der Bank erfuhren wir dann, dass wir gemeinsam zwei Flachen Whisky geleert hätten, aber unser Abteilungsleiter, der sich mit einer Flasche Jägermeister begnügt hatte, fand den Abend sehr nett. Ich habe danach nie wieder Whisky getrunken und habe Abstürze dieser Art vermieden - auch eine Art von Lehre.

Mitunter kam es vor, dass neue Auszubildende in ihren ersten Tagen ihre Unsicherheit durch forsches oder arrogantes Auftreten oder einem besonderen, demonstrierten Bildungsgrad überspielten. Das führte dann mitunter zu kleinen Streichen, um die jungen Kollegen etwas „einzunorden". In einem Fall bekam ein Azubi, der sich von vorn herein als zukünftiger Kreditmitarbeiter einschätzte, die Aufgabe, die Überziehungslisten der Sparkonten zur besonderen Prüfung aus der Kreditabteilung zu holen. Nun gab es solche Listen natürlich gar nicht, da Sparkonten schon rein technisch gar nicht ins Soll geraten konnten. Während der junge Mann sich auf den Weg in die zwei Etagen höher liegende Kreditabteilung machte, wurden die dortigen Kollegen telefonisch eingewiesen. Mit wichtiger Miene wurde dem Azubi dann die sehr umfangreiche monatliche Debitorenliste in die Arme gelegt, mit dem Hinweis, dass er alle darin ersichtlichen Sparkonten mit einem Textmarker hervorheben solle. Da sich die Sparkonten nur durch eine bestimmte Unterkontonummer von den Girokonten unterschieden, wäre also größte Sorgfalt und Konzentration erforderlich. Da der Azubi die Kreditabteilung als die Krönung im Bankgeschäft sah, konnte es keinen Zweifel an der Anweisung geben und er machte sich gewissenhaft an die Arbeit - bis ihn jemand gnädig erlöste, nachdem er auch nach zig Seiten keine Sparkontonummer gefunden hatte.


Während der Ausbildung mussten mein Azubi-Kollege und ich für Kredit- oder Kontoanfragen von Kunden Auskünfte bei der Auskunftei SCHUFA einholen. Zu der Zeit erfolgte das noch per Fernschreiber oder per Telefon. Um sich als Berechtigter zu verifizieren nannte man am Telefon seinen Namen, Name der Bank und eine spezielle Kennzahl, die für jede Bankfiliale vergeben wurde. Da wir regelmäßig mit der SCHUFA telefonierten und auf deren Seite eigentlich nur mit netten Damen Kontakt hatten, ergab sich im Laufe der Zeit ein recht lockerer Umgangston mit Scherzen auf beiden Seiten. Als kleinen Gag meldeten wir uns in Anlehnung an eine laufende Krimi-Serie nicht mehr mit unseren Namen sondern mit ,,Kojak" oder „Sergeant Crocker"' Das bürgerte sich so ein, dass wir nicht mal mehr die eigentlich notwendige Kennzahl benötigten.


An einem 6. Dezember kamen wir auf die Idee, per Fernschreiber eine Auskunft über den Nikolaus einzuholen - als scherzhaften Gruß an die Damen der SCHUFA. In der üblichen Form verfasste ich das Anschreiben und bat um eine allgemeine Auskunft. Die Anfrage wurde auf einem Papierstreifen mitgeschrieben und eine Durchschrift befand sich auf einer Papierrolle, die alle Fernschreiben für Kontrollmöglichkeiten festhielt. Ein für den Kreditbereich zuständiger Mitarbeiter las zufällig diese Durchschrift auf der Rolle und wusste auch gleich, wer das wohl verzapft haben könnte. Ich erhielt an seinem Schreibtisch, der ganz in der Nähe des Fernschreibers war, eine ordentliche Standpauke bezüglich der Umgangsformen mit der SCHUFA und dem gefährdeten Ansehen der Bankfiliale. Während er noch darauf hinwies, dass solche Anfragen auch bei der SCHUFA böse aufstoßen könnten, begann der Fernschreiber zu rattern. Die SCHUFA schrieb zurück, dass man die Anfrage derzeit leider nicht beantworten könnte, da die Auskunftsmappe sich auf dem Weg zwischen Himmel und Erde befände. Da hatte ich dann die Lacher auf meiner Seite.


Während meiner Ausbildung verbrachte ich einen Abschnitt in der Abteilung für Baufinanzierung. Drei Kollegen saßen an drei Schreibtischen zusammen. Zwei Tische standen an den Längsseiten zusammen und der dritte Tisch war an die Querseiten der Tische gegengestellt. Die jeweiligen Telefone standen in einer Gruppe zusammen, so dass jeder Mitarbeiter leicht auch Gespräche seines Kollegen entgegennehmen konnte. Eines Tages waren zwei der Mitarbeiter in Kundengesprächen und eine Mitarbeiterin saß an der Tischgruppe. Als sie kurz ihren Platz verließ, vertauschte ich die Hörer der einzelnen Apparate, so dass jeweils ein Hörer auf der Gabel des daneben stehenden Telefons lag. Als die Kollegin wieder ihren Platz einnahm, rief ich von einer Nebenstelle mit kleinen Pausen die unterschiedlichen Telefonnummern an. Die Kollegin war anfangs erstaunt, dann aber recht irritiert, dass der jeweilige Hörer den sie aufnahm statt eines Gespräches nur ein Freizeichen von sich gab.


Während der Ausbildung war es üblich, dass man verschiedene Abteilungen in größeren und kleineren Stellen der Bank durchlief. So verbrachte ich einige Wochen in einer kleinen Stadtzweigstelle und ließ mir von einem älteren Mitarbeiter erklären, wie Änderungen an Daten für Kunden, Konten oder Daueraufträge kontrolliert wurden. Damals gab es noch Lochkarten und jede Änderung wurde handschriftlich auf der ursprünglichen Karte vermerkt und unterschrieben, zur Erfassungsstelle geschickt und dort verarbeitet. Anschließend erhielt man die Ursprungskarte und die geänderte "abgelochte" Karte zurück und prüfte, ob die handschriftliche Änderung der neu erstellten Karte entsprach. Wenn alles in Ordnung war, konnte die Ursprungskarte vernichtet werden. Ein an sich schon öder Vorgang, der jedoch von dem älteren Kollegen noch ein wenig gesteigert wurde. Mit einem roten Kugelschreiber harkte er jede Änderung auf der neuen Karte ab, brachte sein Handzeichen auf, nahm dann ein Lineal und zog sorgsam diagonal zwei Striche über die alte Karte. Die so durchkreuzte Karte warf er dann abschließend in den Papierkrieg. Der Lerneffekt an diesem Arbeitsplatz war eher gering.

Kollege Carlo S. war bekannt für seinen sehr speziellen Humor, der sich auch gerne mal auf Kunden und Kollegen der Bank bezog. So imitierte er auf köstliche Weise einen wohlgenährten Filialleiter mit Hosenträgern, der eine besondere Kundin, ihres Zeichens Mutter eines Werftdirektors, hofierte. An einem Tag im Hauptgeschäft der Filiale scherzte er mit dem Auszubildenden Peter K. herum und drohte ihm mit einer Heftmaschine, kurz "Tacker" genannt, die Krawatte zu durchlöchern. Der Azubi im Gegenzug nahm den großen, schweren Eingangsstempel, der mit roter Tinte die Filialbezeichnung und das aktuelle Datum auf neue Posteingänge druckte und drohte seinerseits mit einem kraftvollen Stempeldruck auf die Stirn des Kollegen. Auge in Auge, die "Waffen" im Anschlag standen sich die beiden gegenüber wie Gary Cooper und Ian MacDonald in "Zwölf Uhr mittags". Im Umkreis - der gerade leeren Schalterhalle - verharrten die Kollegen schweigend und verfolgten gespannt das ungleiche Duell zwischen dem etablierten Mitarbeiter und dem jungen Azubi.... Carlo grinste und ließ den Tacker zubeißen: Klack, war die Krawatte durchlöchert und geheftet. Aber Peter K. reagierte sofort: Rums! knallte der schwere Stempel auf die Stirn des Kollegen und hinterließ ein rotes Viereck mit dem Datum und dem Filialnamen und einen sichtlich verwirrten Kollegen.


Ein Kunde beschwert sich bei einem Auszubildenden über seine mickrigen Sparzinsen und lässt auch nicht locker, als der Mitarbeiter kund tut, dass er als frischer Azubi dazu nicht viel sagen kann. Unhöflich und ruppig lässt der Kunden seinen Frust an dem jungen Kollegen ab. Im Hintergrund bekommt der Wertpapierberater Carlo S. diese ungleiche Auseinandersetzung mit und schreitet ein. Er erklärt dem Kunden kurz und voller Verständnis für die Verärgerung den Hintergrund der niedrigen Sparzinsen und stellt ihm ein Bonbon in Form einer kurzlaufenden, gutverzinsten Bankanleihe in Aussicht. Der Kunde beruhigt sich und Gier statt Ärger macht sich auf seinem Gesicht breit. Der Berater führt an, dass er sich nur noch eben nach den Kaufmodalitäten in der Bremer Börsenstelle erkundigen müsse und begibt sich nach hinten. Dort scherzt er mit einigen Kollegen und sagt, dass er diesem unhöflichen Kunden jetzt eins auswischen wird. Er wartet noch ein wenig und geht dann mit betrübtem Gesicht zum Kunden. „Leider ist die Anleihe gerade vor ein paar Minuten ausverkauft und es gibt auch keine weiteren Kaufmöglichkeiten." Der Kunde starrt den Berater fassungslos an, dreht sich um und geht wortlos aus der Bank. Der Berater schaut ihm nach und fragt den verdutzten Azubi: ,,Na, alles klar?"
Im Hafen sind mehrere Fischtrawler vom Fang zurück gekehrt. Die Mannschaften wurden in bar ausgezahlt und nach der langen Zeit auf See landen viele in den Kneipen der Stadt. Völlig betrunken erscheint einer der Seemänner in der Bank um das verbliebene Geld auf sein Konto einzuzahlen. Lallend begrüßt er alle Mitarbeiter und drückt jedem einen 20-DM-Schein in die Hand. Dann wankt er wieder raus, Richtung nächste Kneipe. Die Kassiererin Frau M. kommt aus der Kasse, geht von Kollege zu Kollege, sammelt die 20-DM-Scheine wieder ein und verbucht den Betrag auf dem Konto des Kunden. Dieser Ablauf wiederholte sich regelmäßig alle paar Wochen.


Eine Kundin, die bekannter Weise nicht gut mit ihrem Geld umgehen kann, erscheint gegen Monatsende und verlangt resolut eine weitere Auszahlung von ihrem Konto. Die Kassiererin Frau M. kam aus ihrer Kassenbox und gab der Kundin zu verstehen, dass Auszahlungen erst nach erneuten Geldeingängen möglich wären und ihr dies auch in der Vergangenheit bereits mehrmals erklärt worden wäre. Die Kundin ist sauer, nimmt einen schweren Glasaschenbecher vom Bankschalter und wirft ihn mit viel Schwung gegen die dahinter befindliche Wand. Die Kassiererin und andere Mitarbeiter müssen in Deckung gehen, um nicht von den umher fliegenden Glasscherben getroffen zu werden. Derweil dreht sich die Kundin um und verlässt schimpfend die Bank. Scherben bringen Glück - wem auch immer.

Ein ehemaliger Ingenieur, langjähriger Kunde der Bank, ist bedauerlicherweise an Alzheimer erkrankt und befindet sich in Pflege. Seine Geldangelegenheiten werden von seiner Familie geregelt und die Kontoauszüge monatlich per Post zugestellt. Der alten Gewohnheit folgend kommt Herr W. einmal im Monat an den Schalter und fragt nach seinen Kontoauszügen. Niemand mag ihm sagen, dass seine Familie das schon seit längerer Zeit übernommen hat und so schaut man in die alte Ablagetasche und bedauert, dass keine neuen Auszüge vorhanden sind. Regelmäßig bedankt sich der Kunden für die Bemühungen und verabschiedet sich mit den Worten: „Öde und verbrannt liegt die Steppe nieder."


Als junger Leiter einer kleinen Stadtzweigstelle hatte ich wenig Erfahrung in der Personalführung und stand eines Tages vor der Frage, wie ich das Zweigstellenteam für ein erfolgreiches Quartal am besten loben sollte. Statt der üblichen schönen Worte und dem Appell „weiter so" gab ich 45 Minuten vor der Mittagspause bekannt, dass wir uns alle in der Mittagszeit zusammensetzen wollten. Anschließend verließ ich die Bank und kaufte im Supermarkt nebenan einige Zutaten und verschwand damit in der kleinen Küche der Bankzweigstelle. Schon vor der Schließung erahnten die Kollegen, dass sich da etwas in der Küche entwickelte. Statt der üblichen Zahlenbesprechung gab es dann Nordseekrabben in Curry und Dill mit Tortellini. Seit dem musste jeder geschäftlicher Erfolg mit einem kleinen Essen gewürdigt werden.

Diese Krabben-Geschichte sprach sich in der Bank herum und als wir eines Tages Besuch von der gefürchteten Revisionsabteilung zwecks allgemeiner Prüfung bekamen, wurde ich prompt gefragt, was es denn heute zu essen gäbe. Also verließ ich 45 Minuten vor der Mittagspause mal wieder die Bank und kochte Tortellini in Schinken-Sahne-Sauce. Den Revisoren schmeckte das Essen sichtlich gut und böse Geister behaupteten, dass uns so das eine oder andere Manko nur mündlich - also ohne Benotung im Bericht - aufgegeben wurde.

Neben der Regionsrevision gab es die noch mehr gefürchtete Zentralrevision, die üblicherweise ohne Vorankündigung in den Zweigstellen einfiel und sich stets als erstes auf den Kassenbestand stürzte, um jegliche Vertuschung oder Korrektur von Handhabungen zu vereiteln. So kam es eines Tages, dass 2 Revisoren noch vor der Öffnung der Zweigstelle an die Tür klopften, sich mit dem Revisionsausweis zu erkennen gaben und noch vor Beginn der Schalterzeit die Kasse aufnehmen wollten. Der Kassierer war überrascht und ein wenig verärgert über die plötzliche Störung seines Tagesablaufes, aber es blieb ihm nichts anderes übrig, als den Revisoren Zugang zu seinem Kassenhäuschen zu gewähren und beim Zählen des Geldes zuzuschauen. Die beiden beeilten sich auch sichtlich und prüften nach den Beständen auch die vorhanden Kassenbelege und Ein- und Auslieferungspapiere des Geldtransfers. Als sie fertig waren, stimmten sie sich beide ab, verabschiedeten sich überraschend und verließen die Stelle ohne weitere Prüfungen oder Kommentare. Die verdutzten Mitarbeiter fragten sich was da wohl passiert sei. Zwei Tage später erfuhren sie von Kollegen einer anderen Bank, dass sich deren Revisoren in der Adresse geirrt hatten und so die falsche Kasse aufgenommen hatten. Bei den für sie fremden Kassenbelegen und Protokollen bemerkten sie ihren Fehler und machten sich schnell aus dem Staub. In der Aufregung hatte keiner der Bankmitarbeiter das „fremde“ Logo auf den Bankausweisen der Revisoren bemerkt und sich durch das typische und sehr sichere Verhalten der Revisoren einschüchtern lassen.
In unserer kleinen Stadtzweigstelle hatten wir ein fast familiäres Verhältnis zu den meisten Kunden. So geschah es, dass der Geschäftsführer eines Fischhandelsunternehmens unserem Kassierer zu dessen Geburtstag eine Aufmerksamkeit zukommen lassen wollte. Er wusste, dass dieser sich für gute Essen begeistern konnte und so kam er dann mit einem Karton mit Holzwolle in die Bankfiliale. Der verdutzte Jubilar fand darin zwei lebende Hummer, die er für seine Geburtstagsfeier verwenden sollte. Nun wusste er aber nicht so recht, wie er damit umgehen sollte und schlug vor, dass wir zumindest einen der Hummer doch gleich in der Mittagspause zubereiten sollten. Da ich bereits zu anderen Anlässen für die Kollegen gekocht hatte, kam mir also diese Aufgabe zu. Mittags brodelte dann ein großer Topf mit Wasser und nach einigen recht spannenden Momenten gelang es dann tatsächlich den Hummer zuzubereiten. Der Duft verbreitete sich in dem Bankraum und die Geschichte wurde an diesem und manch anderen Tagen oft erzählt.

Unsere kleine Stadtzweigstelle lag dem Fischereihafen unserer Stadt recht nahe. Deshalb ergab sich folgende Geschichte. Das italienische Schulschiff ,,Amerigo Vespucci" sollte für einige Tage im Hafen zu Besuch kommen. Bei der Gelegenheit sollten Vorräte und auch Bargeld für die Lohnauszahlung in US-Dollar besorgt werden. Die deutsche Botschaft in Berlin vermittelte hierzu Hilfe und so kam es zu einem Anruf in unserer Stelle. Es wurde gefragt, ob wir in der Lage wären, eine größere Summe in US-Dollar zu besorgen und auch an Bord des Schiffes zu liefern. Na klar, wir sind doch eine Bank! So kam dann in der für uns zuständigen Hauptstelle ein Fernschreiben aus Berlin an, in dem eine entsprechende Geldanweisung in DM mit der Bitte um Tausch in US-Dollar und Abwicklung über unsere Stadtzweigstelle bestätigt wurde. Das Fernschreiben führte sofort zu einem Telefonat mit der Frage, ob wir größenwahnsinnig geworden wären, ein solches Geschäft selbst abzuwickeln. Wir fanden das völlig in Ordnung und da die Anweisung aus Berlin eindeutig war und über die Zentrale der Bank bereits Buchungen auf dem Conto-pro-Diverse (CpD-Konto) der Stelle vorgenommen wurden, musste man uns dieses lukrative Geschäft überlassen. Als der Bote die Geldscheine brachte, machten wir uns in der Mittagspause mit 2 Leuten auf den Weg zum Schiff und übergaben das Paket gegen ordnungsgemäße Quittung. Am nächsten Tag bekamen wir Besuch von einem Offizier des Schiffes, der uns zu einem Empfang an Bord für den kommenden Abend einlud. Meine Kollegin chauffierte uns mit ihrem Mercedes standesgemäß an die Kaje und vorbei an vielen Schaulustigen wurden wir über die Gangway auf das Schiff geführt. Zusammen mit den Honoratioren der Stadt verbrachten wir einen netten Abend mit feinen italienischen Leckereien und gutem Wein.

Unsere Chefsekretärin erhielt eines Tages eine elektronische Schreibmaschine, die auf dem neuesten Stand der damaligen Technik war. Man konnte nicht nur elektrisch statt mechanisch mit ihr schreiben, sondern unter anderem auch Texte in einen internen Speicher schreiben und diesen Text dann zur Kontrolle über ein kleines Display vor dem eigentlichen Druck nochmal abrufen. Die Anzeige war recht schmal, so dass der Text als Fließtext von rechts nach links über die Anzeige lief. Die Kollegin war jedoch nicht besonders technikaffin und wollte sich mit der Bedienung erstmal in den folgenden Tagen vertraut machen. Am nächsten Morgen kam sie ins Büro, begrüßte mich und guckte erstmal vorsichtig nach, welchen Schalter sie für die Inbetriebnahme der Schreibmaschine benutzen musste. Kaum hatte sie das Gerät eingeschaltet, lief über das Display der Text ,,Guten Morgen liebe Irma, ich bin deine neue Schreibmaschine." Völlig fassungslos starrte die Kollegin auf den Text und kam erst nach einiger Zeit auf den Gedanken, dass hier wohl jemand seine Finger im Spiel gehabt haben musste.

Aufgrund einer Kreditanfrage bekam ich den Auftrag, ein von der Bank beliehenes Haus im Landkreis zu begutachten. Der Ort lag 40 km von unserer Stelle entfernt und seit der damaligen Kreditprüfung war niemand in diese Gegend gekommen. Als ich die in den Unterlagen genannte Adresse erreichte, nahm ich die alten Fotos aus der Akte und suchte nach dem Haus. Da ich nach einigem Suchen nichts Vergleichbares finden konnte, klingelte ich an dem Nachbarhaus. Eine Frau erklärte mir dann, dass das alte Haus vor einiger Zeit abgerissen worden sei und ihr Ex-Ehemann als Abfindung der Scheidung ihr das Grundstück zum Bau eines neuen Hauses überlassen hatte. Als ich ihr erklärte, dass auf dem Grundstück noch eine vorrangige Hypothek unserer Bank eingetragen war und auch noch valutierte und somit nun ihr neues Haus für die alten Schulden haftete, verlor sie die Fassung und stieß wüste Drohungen gegen ihren Ex-Mann aus. Einige Tage später tauchte er kleinlaut bei uns auf und bat um Vorrang der Finanzierung der Frau. Das hätte er jedoch besser vor dem Abriss besprechen sollen.
Als Mitarbeiter der Baufinanzierungsabteilung erhielt ich eines Tages einen Anruf von einer Filiale aus Süddeutschland. Zur Aktualisierung der dortigen Kreditakte bat man mich um neue Fotoaufnahmen eines Mietshauses in unserer Stadt. Als ich die Adresse hörte, stutze ich etwas und klärte die Kollegin am Telefon darüber auf, dass die Bank offensichtlich ein Haus mitten im Rotlichtviertel unserer Stadt finanziert hatte. Das war dort nicht bekannt, der Schreck war groß, aber die Fotos brauchte man ja nun erst recht. Also machte ich mich am nächsten Vormittag auf den Weg, um mit einer Polaroid Kamera die gewünschten Fotos zu machen. Den Bankwagen parkte ich vorsorglich in der Nebenstraße und ging den restlichen Weg zu Fuß. Als die Damen des Etablissements meine Kamera sahen und erfuhren, dass ich Fotos im Bankauftrag machte, kam richtig Stimmung auf. Die freizügig gekleideten Damen wollten sich vor dem Haus postieren und man machte mich darauf aufmerksam, dass es im Inneren des Hauses wohl noch viel bessere Fotomotive gäbe. Ich war froh, dass die Damen das mit Humor nahmen und die zu befürchtenden männlichen „Partner" nicht zugegen waren.


In der Adventszeit hing über dem Kundenschalter an langen roten Bändern ein großer Adventskranz mit dicken Kerzen. Eines Tages kam ich mit einer Kollegin von der Mittagspause zurück in die Schalterhalle der Bank und wir hörten plötzlich ein scharfes Knistern. Die Kerzen waren zu weit herunter gebrannt und die trockenen Zweige begannen gerade knatternd zu brennen. Die Kollegin holte vom Nebenraum eine Blumengießkanne mit langer, dünner Ausgusstülle, konnte damit jedoch nicht viel anrichten. Ein weiterer Kollege, der gerade herein kam, riss den Kranz von der Decke, während ich in den Keller rannte und dort den Feuerlöscher holte. Es war das erste Mal, dass ich so ein Gerät benutzen musste und daher war ich schon erstaunt, dass statt des erwarteten Löschschaumes ein kräftiger Strahl von extrem feinem Pulver aus der Düse schoss und das Feuer sofort löschte, aber gleichzeitig eine weiße aufquellende Wolke im ganzen Raum verteilte. Alle Schränke, Akten und das gesamt Mobiliar waren von einer dünnen Schicht des weißen Pulvers überzogen. Die Reinigung der Bankräume hat sich über Tage hingezogen, aber wenigsten war der Brandschaden minimal. Es gab Kollegen, die hätten gerne einen anderen Verlauf gesehen.


In der Hauptstelle der Bank hatten wir am Ende des Schalters zwei Kassenboxen. Eine für die alltäglichen Ein- und Auszahlungen der Kunden und daneben eine für das Zählen größerer Geldbeträge, wie sie z.B. von den Kaufhäusern gebracht wurden. Eines Tages zählten zwei Auszubildende in dieser Box die Tageseinnahme der C&A-Filiale als ein Mann an der Hauptkasse den Kassierer mit einer Waffe bedrohte und Geld verlangte. Der Kassierer war wie erstarrt und regte sich überhaupt nicht. Der Mann schoss - wie sich später herausstellte an dem Kassierer vorbei in die Tür - und drohte weitere Schüsse an. Der Kassierer war wie versteinert, da begann einer der Auszubildenden dem Mann Gelder von der Firmeneinzahlung über die Durchreiche zu schieben. Der Bankräuber raffte das Geld zusammen und verschwand durch den Haupteingang. Der Prokurist der Filiale hatte derweil die Telefonistin im 3. Stock per Telefon erreicht und sagte immer wieder leise: „Drücken Sie den roten Knopf". Die Telefonistin, die allein in der Lage war eine Amtsleitung zu verbinden, verstand den Hinweis jedoch anfangs gar nicht, weil sie natürlich den Ablauf in der Kassenhalle nicht mit bekam. Schließlich wurde stiller Alarm gegeben. Derweil hatte sich einer der Auszubildenden auf den Weg gemacht, den Bankräuber zu verfolgen - was ihm natürlich streng untersagt war. Er verfolgte den Mann durch ein Kaufhaus auf einen großen Parkplatz, wo er eine Frau mit der Waffe zwang, ihn in ihrem Auto mitzunehmen. Als der Wagen an der Ausfahrtsschranke stand, kam von der Seite ein Polizeiwagen, der durch Hinweise des verfolgenden Auszubildenden die Parkplatzausfahrt blockierte. Der Bankräuber erkannte die Chancenlosigkeit seiner Situation, steckte sich die Waffe in den Mund und erschoss sich.

Später stellte sich heraus, dass dieser Mann Kunde der Bank war, der eigentlich als Kapitän gut verdiente, dessen Ehefrau aber dermaßen über die Verhältnisse lebte, dass er immer wieder neue Kredite aufnehmen musste, um den Konsum seiner Frau zu regulieren. Letztendlich war ihm nun ein weiterer Kredit abgelehnt worden und er sah die letzte Möglichkeit in dem Bankraub. Der Auszubildende wurde von der Geschäftsleitung streng verwarnt, weil er sich gegen die Richtlinien für Banküberfälle verhalten hatte und sich und andere in Gefahr gebracht hatte. Anschließend erhielt er eine Silbermedaille für sein tapferes Verhalten und der Tatsache, dass er der Bank einen größeren Verlust erspart hatte. Der Kassierer stand unter Schock und hat erst am nächsten Tag begriffen, was da passiert war.

Im Fischereihafen der Stadt hatte die Bank eine sogenannte Zahlstelle. Ein einzelner Mitarbeiter nahm Ein- und Auszahlungen vor und nahm von den Kunden Belege, Überweisungen und Aufträge an die Bank entgegen. Jeweils um 12:00 Uhr war Kassenschluss und der Kollege wurde samt des Kassenbestandes von dem Bankfahrer abgeholt. Als frisch übernommener Mitarbeiter sollte ich nun diesen Kollegen während seines Urlaubs vertreten. In einer Übergabezeit sollte er mir alle Abläufe und Besonderheiten der Zahlstelle erläutern. Er legte großen Wert darauf, dass evtl. eingereichte Päckchen für ihn ungeöffnet in seinem Schreibtisch deponiert würden. Des Weiteren dürfte man keineswegs irgendwelche Wünsche dieser besonderen Kunden - seien es Hafenarbeiter oder Geschäftsführer der größeren Unternehmen - ablehnen oder nicht umgehend erledigen. Eines Mittags nahmen wir gemeinsam die Kasse auf und stellten eine Plusdifferenz von 50 Pfennigen fest. Eigentlich wäre dies ein Fall für die Differenzenkladde der Kasse gewesen, aber der Kollege ging im Geiste alle Kundenkontakte durch, bis ihm einfiel, dass er sich bei einer Einzahlung eines Firmenboten offensichtlich vertan hätte. Ich war froh, dass die Differenz sich geklärt hatte und ging davon aus, dass man diesen Betrag am nächsten Tag nachbuchen würde oder den Boten informieren würde. Aber der Kollege bestand darauf, dass wir umgehend die Firma aufsuchen müssten, um das Geld auszuhändigen. Diese etwas überzogene Handlung verstand ich erst, als wir nach Begleichung des Betrages wieder vor der Eingangstür der Firma standen - jeder mit 2 Glas Rollmops und Fischkonserven in der Hand.

Der besagte Kollege der Zahlstelle im Fischerhafen hatte mir unter anderem auch den Schalter der Alarmanlage gezeigt, für den Fall eines Banküberfalls. Nun war das nicht gerade zu erwarten. Einerseits waren die Leute im Hafen alle ehrbare Arbeiter und außerdem war in der Stelle nicht gerade mit dicker Beute zu rechnen und der gesamte Raum wurde durch eine dicke Panzerglasscheibe geteilt. So vergaß ich mehr oder weniger diesen Schaltmechanismus, der als Fußschalter auf dem Boden genau in Höhe der Gelddurchreiche eingebaut war. Bei irgendeinem Zahlungsvorgang muss ich dann aber versehentlich diesen Schalter herunter getreten haben und prompt ging ein stiller Alarm an die Hauptstelle der Bank und an die Polizei. Ich war dann doch sehr irritiert, als mich die Telefonistin der Hauptstelle anrief und fragte, ob alles bei mir in Ordnung sei. Während ich das noch fröhlich bejahte, kamen durch den Eingang zwei Polizisten mit Maschinenpistolen herein, sicherten den Raum und wollten Details zu dem Vorgang von mir hören. Da saß der Schreck dann aber doch tief in den Gliedern.

Eines Morgens stellte der Kassierer unserer Zahlstelle im Fischereihafen fest, dass ein Einbruch in die Bankräume stattgefunden hatte. Geld konnte nicht fehlen, da das ja jeden Mittag abgeholt wurde. Weitere nennenswerte Gegenstände gab es in den alten Räumlichkeiten nicht. Dennoch musste natürlich die Polizei gerufen werden, um mögliche Spuren zu sichern. Die Räumlichkeit wurde gründlich durchsucht, aber das einzig auffällige, das die Polizei fand, war ein Stapel Pornohefte, deren Herkunft sich natürlich keiner so recht erklären konnte.


Im Laufe der Jahre hatte ich mich in der Bankfiliale empor gearbeitet und verantwortete seit einiger Zeit das Baufinanzierungsgeschäft. Ich durfte zwar Darlehen befürworten, aber die endgültige Zusage erfolgte erst durch die Genehmigung eines weiteren Kompetenzträgers. In der Regel war das der Direktor der Bank, mit dem ich auf derselben Etage das Büro hatte. Da ich noch Anfänger in diesem komplexen Geschäft war, prüfte er meine Vorlagen stets sehr penibel und stellte viele Fragen, um zu testen, ob ich auch alles bedacht und geprüft hätte. So fragte er eines Tages, ob wir Fotos von dem zu finanzierenden Haus gemacht hätten. Eifrig suchte ich die Aufnahmen aus der Sicherheitsakte des Vorgangs und reichte sie dem Direktor zur Einsicht. Er schaute sie sich genau an und fragte dann: „Wie alt sind denn diese Fotos?“ Ich antwortete nach Blick auf die Rückseite der Fotos: „10 Tage“. Er runzelte die Stirn und meinte: „Und wer sagt Ihnen, dass das Haus nicht schon abgebrannt ist?". Ich war anfangs sehr verdutzt, aber antwortete dann: „Ich könnte morgen neue Fotos machen. Allerdings könnte dann übermorgen das Haus abbrennen.“ Daraufhin genehmigte er das Darlehen.
Der bereits erwähnte Direktor teilte mir eines Tages mit, dass in seinem Büro ein neuer Telefonanschluss installiert werden würde. Als der Techniker kam, verabschiedete sich der Direktor in die vorgezogene Mittagspause und bat mich, ein Auge auf die Arbeiten des Technikers zu werfen. Ich guckte also gelegentlich um die Ecke, deponierte scheinbar Unterlagen und Posteingänge auf dem Tisch des Direktors. Gegen Mittag teilte mir der der Techniker der Post mit, dass ihm ein spezielles Teil fehlen würde. Er wollte es besorgen, dabei seine Mittagspause antreten und später die restlichen Arbeiten vollbringen. Kurz danach kam unser Direktor von seiner Pause zurück und verzog sich in sein Büro. Nach einiger Zeit rief er mich an und bat mich in sein Büro. Ich nahm Platz und erwartete irgendwelche Anweisungen oder Wünsche. Stattdessen fragte er mich: „Fällt Ihnen hier etwas auf?“. Ich wusste natürlich nicht was er meinte, stutze und verneinte. Mit großer Geste zeigte er auf den kleinen Schrank, den der Techniker ein wenig nach vorne gezogen hatte, um besser an den Telefonanschluss zu kommen. “Der Schrank steht nicht an der richtigen Stelle!". Ich wies darauf hin, dass der Techniker noch wieder käme und die Arbeit beenden würde, aber das war dem Direktor nicht genehm. „Ich erwarte nicht, dass Sie den Schrank wieder zu Recht rücken, aber ich erwarte, dass Sie die Ordnung in dem Raum wieder veranlassen!". Ich war dann wirklich zu perplex um darauf eine intelligente Antwort zu geben.

Es gab eine Zeit, da konnte man als Bauherr mit sogenannten ,,Bauherrenmodellen" eine Erstattung der Vorsteuer aller Gewerke geltend machen und so in den Genuss einer erheblichen Steuerrückzahlung bekommen - so man denn genug Geld verdiente. Dass an diesen Vorhaben diverse Leute Geld verdienten und die eigentlichen Bauherren erst Jahre später merkten, dass das alles Quatsch war, ist eine Geschichte für sich. Wir waren gefragt worden, ob wir an der Finanzierung eines solchen Bauvorhaben interessiert wären. Da es sich ausnahmslos um gutverdienende Bürger der Stadt und des Umkreises handelte, waren wir gerne dabei. Um das Finanzierungskonzept der Bank vorzustellen, wurden der Prokurist der Filiale und ich zu der ersten Bauherrenversammlung in dem ersten Hotel am Ort eingeladen. Die Initiatoren des Modells erläuterten den Standort, die ausgezeichnete Vermietbarkeit und all die anderen Vorzüge des Projektes. Nach der Vorstellung der Finanzierungsdetails kam man dann zu der Aufteilung der einzelnen Wohnungen. Ein beteiligter Notar sollte festhalten, welcher Bauherr welche Wohnung kaufen würde. Unerwarteter Weise kam es bei den letzten beiden Wohnungen zu Unstimmigkeiten, weil die beiden verbliebenen Kaufparteien sich für die gleiche Wohnung entschieden hatten. Nach einer längeren, fruchtlosen Diskussion, die nun auch allmählich in Streit auszuarten schien, ermahnte der Notar die Runde und klingelte nach dem Oberkellner des zum Hotel gehörenden Restaurants in dem wir tagten. Er bat ihn um Ausleihung eines Würfelbechers und innerhalb von wenigen Minuten ward entschieden, wer welche Wohnung übernimmt.

Nach einer längeren Umbauphase war die neue Kassenhalle der Filiale nach neustem Design fertig gestellt. Für Kunden und Mitarbeiter gab es eine feierliche Eröffnung der neuen Räume. Hierzu war auch der Direktor der übergeordneten Gebietsfiliale angereist. Würdevoll und fachmännisch prüfend durchschritt der die neuen Räume, begleitet von dem Direktor unserer Filiale. lm letzten Raum angekommen, hier standen einige der Mitarbeiter bei den vorbereiteten Sektgläsern, drehte sich der Gebietsdirektor zu unserem Filialdirektor um und meinte: ,,Es freut mich, dass Ihre Stelle nunmehr endlich das Niveau einer Bahnhofstoilette überwunden hat“
In unserer kleinen Stadtzweigstelle hatten wir eine junge Kundin, die zwar immer super cool auftrat, aber stets Probleme mit ihrem Kontostand hatte. Sehr lässig versuchte sie insbesondere den männlichen Kollegen doch noch mal eine Kontoüberziehung abzuquatschen. Sie hatte ein wenig das Flair eines verbrauchten Groupies und war wahrscheinlich auch öfter mal etwas unter Strom. Regelmäßig sah ich ihr Konto auf dem Bildschirm unter den aktuellen Überziehungen. Auf ihrem Kontobild hatten die Kollegen bereits Warnhinweise angebracht, um weitere Inanspruchnahmen zu verhindern. Eines Tages schrieb ich dann in Anlehnung an einen Song von Jethro Tull darunter „Too young to die, too old for Rock ‘n Roll“. Als die Kundin an einem der nächsten Tage wieder am Schalter stand und mit ihrem Ansprechpartner rumflachste, rief der am Bildschirm das Saldobild auf, sah die bereits vorhandenen Vermerke und dann die abgeänderte Songzeile. Er musste dann doch erstmal lachen, überspielte das aber gegenüber der Kundin geschickt. Als die Kassenhalle dann mal leer war, nahm die Story ihren Lauf und diese Zeile wurde eine feststehende Redewendung bei entsprechenden Fällen.


Für eine gewisse Zeit war ich Betriebsratsvorsitzender unserer Filiale. Leider ergab es sich zu dieser Zeit, dass die Bank aus Kostengründen die bisher angestellten Reinigungskräfte durch eine externe und günstigere Reinigungsfirma ersetzen wollte. Als Betriebsrat konnte ich das nicht kommentarlos geschehen lassen, wohl wissend, dass ich die Änderung nicht wirklich aufhalten könnte. Aber letztendlich bekamen die betroffenen Damen dann doch noch eine kleine Abfindung. Diese Gespräche führten natürlich zu Spannungen zwischen unserem Direktor und mir. Bei einem dieser Gespräche, wollte er meiner Argumentation nicht mehr folgen und verfiel einfach in Schweigen. Ich weiß nicht, wie lange das tatsächlich dauerte, aber es war sehr verblüffend und beunruhigend. Ich erkannte jedoch sein Schweigen als Gesprächstaktik und blieb nun ebenfalls schweigend vor ihm sitzen. Das war schon sehr anstrengend und brachte meinen Puls heftig nach oben. So verging eine ganze Weile des gemeinsamen Schweigens, bis der Direktor dann irgendwann wieder das Wort ergriff. Ich werde diesen Moment nie vergessen und habe das mal einer Auszubildenden erklärt - und sie dann nur noch schweigend angeguckt. Da wurde ihr ganz mulmig und sie bat mich inständig das zu lassen. Eine in der Tat starke rhetorische Waffe.
Ein alleinstehender Kapitän ärgerte sich stets über die Begierde der Finanzbehörden und versuchte über Jahre mit viel Aufwand und großem Misstrauen, seine Guthaben über diverse Banken verteilt den Behörden vorzuenthalten. Auch die entfernten Verwandten durften nichts über diese Gelder erfahren, da sie bereits auf sein sonstiges Vermögen schielten. Als er erfuhr, dass man bei der Bank auch anonyme Tafelpapiere kaufen konnte, kam er eines Tages mit einer Menge Bargeld an und kaufte Rentenfonds als Tafelpapier. Dazu mietete er ein Schließfach, in dem alles deponiert wurde. Dass es sich um "Schwarzgeld" handelte war zwar allen klar, aber zu der Zeit war das noch kein Thema, das meldepflichtig gewesen wäre. All sein Geld machte ihn jedoch nicht glücklich und eines Tages beging er Selbstmord. Nur wenige Tage später tauchten zwei verwandte Damen auf die ahnten, dass es da etwas zu erben gab. Als das Schließfach nach Vorlage des eröffneten Testamentes geöffnet und ausgeräumt wurde, bat man mich um Ermittlung des Gegenwertes. Der Betrag war erheblich und bei einer Verwandten brannte die Gier in den Augen, die andere war eher erschüttert und wollte anfangs von dem Vermögen nichts haben. Die erste Erbin bot eine Ausgleichszahlung in bar an und wollte die Papiere dann komplett übernehmen. Da aber kam der Entschluss der anderen Seite: „Wir machen eine Selbstanzeige und regeln das alles offiziell.“ Da sah man den Blutdruck förmlich durch die Adern schießen und die Stimmung ging tief in den Keller. Das Ende vom Lied: Erhebliche Teile des Vermögens gingen für die Nachbesteuerung verloren, weitere, große Beträge fielen für die Erbschaftsteuer an, so dass letztendlich nur noch knapp die Hälfte übrig blieb. Hätte der Verstorbene das auch nur ansatzweise geahnt, was hätte er sich für ein gutes Leben ohne Angst vor dem Finanzamt leisten können.

Das Thema "Schwarzgeld" hat sicher viele Kunden bewegt und man muss gestehen, dass die Banken mit dem Frust gegenüber dem Finanzamt durchaus auch gerne Geschäfte machten. Sicher wies man stets darauf hin, dass Vermögen und Erträge auch bei Tafelgeschäften oder Auslandsanlagen zu deklarieren waren, aber das interessierte natürlich die Betreffenden nicht und sie empfanden es mehr als ein Spiel gegen das Finanzamt. So auch jener selbständige Geschäftsmann, dem es über Jahrzehnte gelang, durch viele Steuerprüfungen hindurch - das Amt hatte ihn stets in Verdacht - immer wieder schwarze Einnahmen zu machen. Es war schon fast ein Sport, den er sich daraus machte. In größeren Abständen stockte er seine Bestände an Tafelpapieren auf, lehnte aber ein Bankschließfach stets ab. Jahre später wurde er schwer krank und er wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Nun sammelte er all seine versteckten Vermögenswert ein, nahm ein Schließfach bei der Bank und fügte den Unterlagen einen Brief an seine nichts ahnende Ehefrau bei. Er bat mich, wenn es soweit wäre, seiner Ehefrau zu erklären, was sie dort vorfinden würde. In all dieser Zeit haben er und seine Familie ein durchschnittliches Leben geführt, da jede Form von Luxus zu schwierigen Fragen der Finanzbehörden geführt hätte. Als seine Ehefrau Wochen nach seinem Tod sich bei mir ankündigte, wusste ich, dass da ein schwieriges Gespräch auf mich zukommen würde. Die Frau bat mich, das Schließfach in meiner Gegenwart zu öffnen. Stück für Stück nahm sie die Unterlagen heraus, die ihr gar nichts sagten. Still las sie den Brief ihres Gatten und weinte dabei. In der Annahme, dass ihr Mann wohl eine kleine Rücklage für alle Fälle für sie deponiert hatte, bat sie mich um Ermittlung des Gegenwertes der vorhandenen Papiere. Beim Ausrechnen der Summe war ich selbst erstaunt, wieviel Geld da im Laufe der Jahre zusammen gekommen war. Als ich der Ehefrau die unerwartet hohe Summe nannte, brach sie fast zusammen und wollte es nicht glauben. Stück für Stück erklärte ich ihr anhand der vorliegenden Kaufbelege, dass dieser Betrag über viele Jahre so zusammen gekommen war. Nach der Fassungslosigkeit kochte auf einmal Wut in ihr hoch. Jahre der Sparsamkeit, wenig Urlaub, viele unerfüllte Wünsche und das alles für ein Versteckspiel mit dem Finanzamt. Soviel gemeinsame Lebensqualität ist hier unwiederbringlich verloren gegangen.

In meiner Zeit in der Baufinanzierungsabteilung der Bank habe ich immer versucht, die Wünsche der Kunden nicht nur finanziell zu betrachten. Manch einen konnte ich von gewagten Altbausanierungen oder einem Totalumbau eines alten Bauernhauses in Eigenregie abhalten. Doch als ich die Finanzierung eines normalen Reihenhauses für eine Familie in geordneten Verhältnissen genehmigte, hatte ich keinen Anlass über die Verhältnismäßigkeit des Hauskaufs nachzudenken. So war ich dann doch sehr erstaunt, als der Kunde eine Woche nach der Hausübernahme sichtlich geschwächt bei mir vorsprach und darum bat, den Kauf und die Finanzierung rückgängig zu machen. Die neue Last und Verantwortung hatte ihn an den Rand eines Herzinfarktes gebracht und ich spürte, dass sich dies nicht nach einer kurzen Gewöhnungszeit erledigen würde. Ich sprach mit dem Verkäufer, dem Notar, dem Makler und unserem Direktor und gemeinsam ermittelten wir die nicht unerheblichen Kosten dieser Rückabwicklung. Ohne das Verständnis des Verkäufers wäre es gar nicht möglich gewesen, aber er bestand zu Recht auf die Wiederherstellung eines in Angriff genommenen Wanddurchbruchs. Die verlorene Grunderwerbsteuer, neue Notar- und Gerichtskosten, Bearbeitungskosten der Bank und die Bauarbeiten summierten sich zu einem erheblichen Betrag. Aber der Kunde bestand darauf die Verträge rückgängig zu machen. Als alles erledigt war, bedankte er sich herzlich und man sah ihm die Erleichterung an. Wer weiß, vielleicht hätte ihn das Haus tatsächlich umgebracht.

Als junger Kreditsachbearbeiter bearbeitete ich einen rückständigen Kredit eines jungen Mannes. Er hatte über die Bank einen flotten Gebrauchtwagen finanziert und bisher nicht eine einzige Rate dafür gezahlt. Auf die bisherigen Mahnungen hatte er nicht reagiert. Soviel Dreistigkeit erboste mich und ich schlug dem Filialleiter vor, dass wir mit dem als Sicherheit hinterlegten Kfz-Brief den jungen Mann auf seiner Arbeitsstelle aufsuchen und ihm den Wagen wegnehmen sollten. So fuhren wir zu zweit in den Landkreis zu einer Bäckerei wo der junge Mann arbeitete. Er war sehr verdutzt als wir ihn fragten, warum er seine Raten nicht bezahlen würde und auf unsere Schreiben nicht reagiert hätte. Er druckste unwillig herum, was mich dann veranlasste, ihn um den Schlüssel des Wagens zu bitten. Wir gaben ihm Gelegenheit, seine persönlichen Sachen aus dem Auto zu holen, teilten ihm mit, dass wir das Auto bis zu einer Klärung des Rückstandes behalten würden und fuhren dann mit dem Wagen zurück in die Stadt. Dort stellten wir ihn bei dem Händler ab, der den Verkauf seinerzeit vermittelt hatte. Gleich am nächsten Tag rief der Inhaber der Bäckerei an und beschimpfte uns wegen unserer Vorgehensweise. Er hatte durchaus Recht, wir hätten das Fahrzeug erst amtlich beschlagnahmen müssen, anstatt es einfach dem verdutzten Eigentümer weg zu nehmen. Aber letztendlich versprach der Bäcker, die monatlichen Raten direkt vom Gehalt des jungen Mannes an uns zu überweisen. So durfte er dann einige Tage später seine Autoschlüssel wieder bei uns abholen. Danach gab es keine weiteren Rückstände bei diesem Kredit. Allerdings rüffelte uns unsere Kreditabteilung für unser eigenwilliges Vorgehen. Aber als Anekdote hat sich der Fall lange noch gehalten.

Eine junge Mitarbeiterin, die sich gerne modisch schick kleidete und immer recht selbstbewusst auftrat, unterhielt sich am Bankschalter mit einer jungen Kundin, die ebenfalls sehr von sich überzeugt war und gerne ihren Umgang mit der High Society der Stadt erwähnte. Im Verlauf der Unterhaltung sagte die Kundin: ,,Wir waren gestern zu einer Vernissage mit guten Freunden eingeladen." Darauf antwortete die Kollegin: „Oh, wie nett. Wir hatten gestern eine Lasagne.“ Nur mühsam konnten sich die Kollegen in Hörweite beherrschen und die Geschichte wurde noch oft wieder gegeben.

Ein Kunde regte sich bei einem Kollegen über eine ungünstig verlaufende Anlage auf. Die beiden saßen in einem kleinen Besprechungszimmer - bei geschlossener Tür - und alle in der Kassenhalle - Mitarbeiter wie Kunden - hörten mit an, wie der junge Mann sich dort immer lauter beschwerte und offensichtlich völlig die Contenance verlor. Ich war stellvertretender Leiter der Abteilung und die Kollegen sprachen mich an, ob es wohl angebracht wäre, die Polizei zu rufen. Ich kannte den Kunden als Sohn einer guten Kundin, der bereits ein Studium abgebrochen hatte und sich eben als „Sohn einer guten Kundin“ aufführte. Das mit der Polizei war keine sinnvolle Idee und ich beschloss, den Kollegen zu befreien. Ich betrat das Besprechungszimmer und stellte mich als "Leiter" der Abteilung vor und fragte nach dem Hintergrund der Beschwerde. Nebenbei bedeutete ich dem gestressten Kollegen, das Zimmer zu verlassen. Der Kunde fing erneut an mir seine Verärgerung über angefallene Kursverluste seiner Anlage darzulegen und die Schuld dafür dem vorherigen Kollegen anzulasten. Erneut steigerte sich seine Wut in immer lautere Beschimpfungen gegen die Bank. Ich merkte, dass er für Argumente nicht zugänglich war und besann mich einer Gesprächstechnik aus einem Seminar, die ich auch schon mal leidvoll als Betriebsratsvorsitzender im Umgang mit unserem Filialdirektor erlebt hatte: Die Schweigetechnik. Ich sah dem Kunden ins Gesicht, vornehmlich in die Augen und gab keine Erwiderung zu seinen Aussagen, egal wie laut er wurde (die Kollegen draußen bestätigten mir später eine besorgniserregende Lautstärke). Nach einigen Minuten - die mir allerdings wie Stunden vorkamen - ermüdete der Kunde und wurde zunehmend ruhiger. Nun fing ich an, auf seine Vorwürfe zu antworten und versprach ihm die Überprüfung seiner Vorhaltungen und die Vereinbarung eines neuen Gespräches. Erschöpft aber irgendwie auch erleichtert willigte der Kunde ein und eine Woche später konnten wir den Vorgang einvernehmlich regeln. Seitdem waren wir quasi beste Freunde und hatten nie wieder Differenzen.

Es ergab sich, dass ich meine Ausbildung in einer kleinen Stadtzweigstelle begann und dort nach einigen Jahren auch stellvertretender Leiter der Stelle wurde. Nach weiteren Ausbildungsbereichen in der Bank fragte mich unser neuer Direktor, ob ich mir die Leitung dieser Stelle vorstellen könnte. Ich hatte keine Ahnung, wie man eine Geschäftsstelle leitet. Zum Beispiel dachte ich spontan darüber nach, wer denn wohl für den Nachschub von Toilettenpapier zuständig sein würde und wie ich es als junger Mitarbeiter schaffen sollte, langjährigen Kollegen ein ernstzunehmender Chef zu sein. Auf dem Höhepunkt dieser Zweifel sagte ich also: „Klar, vielen Dank!“. Und so fand ich mich kurze Zeit später als Chef der Stelle wieder in der ich meine Ausbildung begonnen hatte. Da die Stelle mit einem tollen Team besetzt war und die mich irgendwie auch mochten, war ich dann wohl doch nicht so ein schlechter Chef. Wie auch immer, nach einiger Zeit bekamen wir Besuch der gefürchteten Revisionsabteilung. Sie prüften alles rauf und runter und ohne die profunden Kenntnisse der Mitarbeiter wäre ich bestimmt in einige Fallen gestolpert. Irgendwann war dann die Prüfung der Schlüsselkarten für die Safes der Bank fällig. Dabei fiel einem Revisor auf, dass ich vor einigen Jahren schon mal als Stellvertreter der Stelle tätig gewesen war. Somit hatte ich jeweils den zweiten Schlüssel zu den drei Tresoren gehabt. Als Leiter hatte ich nun jeweils den ersten Schlüssel und die Kombination der Zahlenschlösser erhalten. Als findiger Betrüger hätte ich also vor Jahren bereits einen Abdruck der Gegenschlüssel machen können und wäre somit als Leiter der Stelle Jahre später in der Lage gewesen, die Tresore nun allein zu öffnen. Ein unglaublicher Verstoß gegen die Richtlinien. Alle Schlösser der Tresor mussten ausgewechselt werden und die Kombinationen mussten neu eingestellt werden. Das kostete natürlich richtig viel Geld. Als ich nach der Umstellung den Revisor fragte, was eigentlich passiert wäre, wenn ich die alten Nachweiskarten der Schlüssel und der Kombination mit meiner Unterschrift vernichtet hätte, so sagt er: ,,Das hätte einen Minuspunkt wegen nicht auffindbarer Schlüsselkarten zur Folge gehabt, also maximal eine Reduzierung von befriedigend auf ausreichend - somit ein Rüffel der Geschäftsleitung statt einer mehrere Tausend teuren Tresorumstellung" Wie soll man das im Voraus wissen?
Ein sehr guter Kunde fragte mich in einem vertraulichen Gespräch, wie er denn Geld aus der Schweiz nach Deutschland transferieren könnte. Ich erklärte ihm, dass alle Transferzahlungen zwischen der Schweiz und Deutschland über die Bundesbank laufen und somit registriert würden. Im Rahmen möglicher Amtshilfe könnten andere Behörden des Bundes, z. B. das Finanzamt diese Daten erfragen. „Und was könnte man anderes machen?“ fragte der Kunde. Mehr im Scherz antwortet ich: "Sie müssten Ihr Geld in Krügerrand (afrikanische Goldmünzen) tauschen und unbemerkt über die Grenze nach Deutschland bringen. Dann könnten wir Ihnen diese Münzen einfach abkaufen" (Das Geldwäschegesetz war damals noch nicht in Kraft). Wochen später sprach mich der Kunde erneut an. Er wäre beruflich sehr angespannt und könnte nicht in die Filiale kommen. Da ich aber nicht weit von ihm entfernt wohnen würde, wäre es doch vielleicht möglich, dass ich abends mal ein paar Goldmünzen von ihm mitnehmen würde, um sie am nächsten Tag als Verkaufserlös auf sein Konto einzuzahlen. Seinerzeit wurde das alles nur auf dem Papier enger gesehen und ich kannte den Kunden gut. So sagte ich also nichts ahnend zu, dass sich das wohl machen ließe. Spät abends klingelte es an meiner Tür und der besagte Kunde reichte mir einen Koffer, der in meiner Hand unverhältnismäßig schwer wog. Er bedankte sich für meine Hilfe und den Koffer könne ich auch behalten. Verdutzt erwiderte ich, dass der Transport nicht von der Bank gedeckt sei und ich am nächsten Morgen ja auch mit dem Goldschatz Richtung Afrika verschwinden könnte. Der Kunde lächelte und sagte: „Sie machen das schon.“ Und so war es dann auch.

Ich stand an der Kasse meines heimischen EDEKA-Marktes und hatte meine Waren auf das Transportband vor der Kasse ausgebreitet. Vor mir war eine elegante Dame, die ich als Kundin unserer Bank wohl kannte. Da ich sie aber nur gelegentlich bedient hatte und nicht ihr direkter Berater war, kannte sie mich nicht oder nahm mich zumindest nicht zur Kenntnis. Der Kassierer scannte ihre Ware ein und nannte ihr schließlich den Gesamtbetrag. Die Dame kramte in ihrer Tasche, zog ein Portemonnaie hervor und wurde dabei zusehends nervös. Es war offensichtlich das falsche Portemonnaie ohne ausreichend Bargeld und insbesondere ohne EC-Karte. Man sah ihr an, dass ihr eine solche Situation noch nicht vorgekommen war und sichtlich nervös erklärte sie dem Kassierer die Situation. Der blieb eher ungerührt, fragte, wie es denn nun weiter gehen solle, und machte Anstalten, die Waren bei Seite zu räumen. Die Kundin war sehr irritiert und hilflos. Da nahm ich aus meinem Portemonnaie zwei größere Geldscheine, reichte sie der Dame und sagte: „Die Dame ist Kundin unsere Bank und ich bin sicher, dass ich meine Auslage wieder zurück erhalten werde.“ Die Kundin guckte mich höchst erstaunt aber auch sehr erleichtert an, durch die Reihe der Wartenden, die natürlich die peinliche Situation sichtlich genossen, ging ein Raunen. Die Dame konnte also ihren Einkauf mitnehmen und bedankte sich - für alle hörbar - für diesen außergewöhnlichen Service ihrer Bank. Natürlich habe ich am nächsten Tag mein Geld erhalten und die Kundin bedankte sich ich Gegenwart aller Kollegen für meine Hilfe. Ein Erlebnis, das sich wohl kaum jemand trauen würde als Werbespot in Szene zu setzen und von dem manch ein Banker träumt.

Der Nachbar unseres Reihenhauses hatte sich in dem Bereich Planung und Ausführung von Pflasterarbeiten selbständig gemacht. Für Terrassen- und Gartenplanungen hatte er noch einen Partner, der sehr schöne Gartenanlagen entwarf. In dieser Gründungsphase war natürlich Werbung für meinen Nachbarn eine wichtige Maßnahme. Der er unsere kleine Terrasse sehr ansprechend neu gestaltet hatte, wollte ich gerne für ihn Werbung machen. Ich fragte ihn, ob er es sich vorstellen könnte, in der kleinen Bankfiliale, die ich zu der Zeit leitete, einen Mini-Garten mit Terrasse anzulegen. Was anfangs wie eine Schnapsidee klang, nahm dann aber bald konkrete Züge an.
Ich holte mir die Genehmigung der Geschäftsleitung ein – heute so kaum noch denkbar – und dann wurde geplant. Ein Teil der kleinen Kassenhalle wurde mit wasserfester Folie ausgelegt und dann wurden Erde, Klinker und Pflanzen zu einer kleinen bepflanzten Terrasse in der Bank verarbeitet.
 Wir erhielten damals viel Zustimmung von den Kunden und für meinen Nachbarn war es eine gute Werbung.


Zur Formung und Festigung von Verkaufsgesprächen veranstaltete die Bank hin und wieder externe Seminare in hierzu angemieteten Konferenzräumen ländlicher Hotels. Dabei wurden Fachthemen erörtert und Gesprächsführungen geübt. Letzteres war recht unbeliebt bei den Teilnehmern, weil die fingierten Gespräche auf Video aufgenommen und anschließend vom Seminarleiter kritisch kommentiert wurden. Kaum jemand fühlte sich vor der laufenden Kamera wohl. Bei einem der Seminare ging es um Gespräche bei der Kreditvergabe und eine Teilnehmerin aus dem ostfriesischen Raum und ich wurden ausgewählt das Rollenspiel vorzutragen. Die Kollegin sollte die Kundin spielen und ich den Berater. Wir erhielten für die Vorbereitung individuelle Blätter mit Vorgaben für die jeweilige Rolle. Hierin waren dann oftmals kleine Probleme oder Verhaltensvorgaben für die Kundenseite und zu erreichende Gesprächsinhalte für den Berater enthalten. Es ergab sich, dass die Vorbereitungszeit für uns mit einer Pause für alle Teilnehmer zusammenfiel. Wir nutzen die Gelegenheit und sprachen uns ab. Die Kollegin sollte die ganze Zeit über nur ostfriesisches Plattdeutsch sprechen und ich würde versuchen, den Ruhrpott-Dialekt von Jürgen von Manger, alias Adolf Tegtmeier – zu der Zeit eine beliebte Kabarettfigur – durchzuhalten. Obwohl es recht schwer ist in der gewählten aber nicht eigenen Mundart zu bleiben, während der Gesprächspartner in einem anderen Dialekt antwortet, gelang uns das Gespräch recht gut. Zumindest ernteten wir reichlich Applaus und das Video wurde am Abend in der Freizeit nochmal mit viel Gelächter angeschaut. Der sonst üblichen kritischen Begutachtung des Gesprächsinhaltes waren wir auf jeden Fall entkommen.


Es kam nicht sehr oft vor, dass man mit unserem Direktor ein ausschließlich angenehmes Gespräch hatte. An diesem Tag war es jedoch so. Er lobte meine Arbeit und mein Engagement und sagte dann, dass es an heißen Sommertagen sehr angenehm sei, wenn man vor der Arbeit im nahe gelegenen Stadtbad noch ein paar erfrischende Runden schwimmen würde. Ich könnte das gerne machen, da hätte er nichts gegen. Ich bedankte mich für die nette Idee und verabschiedete mich. Dabei sagte er dann: „Das Bad öffnet ja bereits um 6:00 Uhr und wenn es doch mal etwas später wird, hängen Sie die Zeit abends einfach dran.“


Zur allgemeinen Überraschung wurde uns eines Tages mitgeteilt, dass wir einen zweiten Direktor bekommen würden. Beide sollten gleichberechtigt sein und bestimmte Aufgabengebiete übernehmen. Der neue Mann käme aus Hongkong und wäre im internationalen Geschäft sehr erfahren. Was soll der bei uns in der Provinz? Das war wohl die erste Frage. Die zweite Frage war natürlich: „Was wird uns das bringen?“. Eines Tages war es dann soweit. Unser Prokurist hatte von kundigen Handwerkern einen zusätzlichen Raum in der 1. Etage mit Leichtbauwänden von dem Großraum abtrennen lassen. Die Begrüßung fiel dann gleich etwas nüchtern aus. In dieser Telefonzelle werde er nicht Platz nehmen, das sei schon mal klar. Sprach’s und ließ sich den wesentlich größeren Konferenzraum provisorisch einrichten. An der Stirnseite des viel zu großen Konferenztisches stellte er einen Chefsessel und auf den Tisch kam eine chinesische Drachenfigur. Das fing ja gut an.
Zu dieser Zeit war ich für das Baufinanzierungsgeschäft zuständig und mein Arbeitsplatz lag seinem Raum gegenüber. Er verkündete die Politik der offenen Tür, die nur bei vertraulichen Gesprächen geschlossen werden würde. So kam er dann öfter spontan aus seinem Raum geschossen und fragte, was denn so anliegen würde. Er frotzelte mit unserer Chefsekretärin, die das sichtlich irritierte. Solche Töne war sie bisher nicht gewohnt. Bei einer solchen Gelegenheit erklärte ich ihm, dass ich nachmittags mit der Fähre auf die andere Weserseite fahren müsse, um dort ein von uns zu finanzierendes Haus zu besichtigen und zu fotografieren. „Interessant, habe gerade noch nichts vor. Da komme ich mit. Dann sehe ich was von dem Gebiet und Sie können mir etwas zu unserem Standort erzählen.“ Na denn. An der Fähre ergab es sich, dass sehr viele Fahrzeuge vor uns waren und wir die nächste Fähre nehmen müssten. Ich fragte, ob wir das Vorhaben vielleicht vertagen wollten, aber er hatte keine Eile und so standen uns also gute 20 Minuten Wartezeit bevor. Er erkundigte sich nach einigen Aspekten der Stadt und der Umgebung und recht temperamentvoll gab er dann seine kritische Meinung über seinen Direktor-Kollegen und weitere Mitarbeiter von sich. Irgendwann gab ich zu verstehen, dass ich als Betriebsratsvorsitzender keine Kommentare zu seinen Bewertung geben wollte. Er stutzte und sagte dann: „Wenn Sie jemals irgendetwas von unserem Gespräch weitergeben, ersäufe ich Sie eigenhändig in der Weser!“. Das war eine klare Ansage und ich hielt die Drohung nicht für besonders übertrieben.
Man muss sagen, er war temperamentvoll, voller Energie und wenig diplomatisch, aber er kannte sich im Geschäft aus. Man konnte ihm nichts vormachen und wenn man gute Argumente hatte, stand er voll hinter den Mitarbeitern, es sei denn, er hatte gerade Lust jemanden zu ärgern.
Er wurde dann eines Tages ziemlich spontan zu einer anderen Filiale abberufen, die gerade ein großes Problem hatte. Kurz vorher versetzte er mich noch von der Baufinanzierungsabteilung in die Leitung einer kleinen Stadtzweigstelle, was ich nicht hätte ablehnen können und was mir in dem Moment auch nicht ganz geheuer war. Aber letztendlich führte das zu meiner besten Zeit in der Bank. Also, vielen Dank Marzipan-Jack – so nannte ich ihn, wenn er nicht dabei war.


Im Private Banking war ich mitunter auch für Kundenveranstaltungen zuständig. In den guten Zeiten legte die Bank Wert auf fachkundige Referenten aus dem eigenen Konzern, eine gute Location mit besonderer Beköstigung der Kunden. Die ortsansässige Sparkasse und auch eine andere Regionalbank suchten sich des Öfteren bekannte Referenten aus den Medien oder der Politik aus und erzielten damit guten Zuspruch auch von Nichtkunden. Als nun eines Tages mal wieder das Thema anstand, fragte ich meinen Chef, ob wir nicht auch mal etwas Ausgefalleneres machen sollten. Er meinte, ich könne mir ja mal etwas einfallen lassen. So kam es denn, dass ich eines Tages das ZDF anrief und mich erkundigte, ob die Herren Kienzle und Hauser als Referenten für eine Bankveranstaltung in Frage kämen. In der Zeit zwischen 1994 und 2000 moderierten die beiden das Politikmagazin FRONTAL. Kienzle stand der SPD nahe und Hauser der CDU. Sie kämpften in der Sendung beinahe gegeneinander, aber stets fair und sehr publikumswirksam. Die beiden oder zumindest einen von ihnen für eine Kundenveranstaltung zu gewinnen, wäre ein echter Magnet gewesen. Allzu viel versprach ich mir nicht, fand den Versuch aber spannend. Die verantwortliche Mitarbeiterin des ZDF war sehr nett und fand die Idee gut. Sie versprach sich zu kümmern und würde sich wieder melden. Wenige Tage später kam von ihr das Okay. Auf meine Frage, was denn an Honorar zu erwarten wäre, nannte sie mir DM 20.000,--. Das wäre aber kein Problem, da bei zu erwartenden 2.000 Zuschauern der Aufwand mühelos durch Eintrittsgelder wieder eingenommen werden könne. Als Veranstaltungsort kam somit nur die hiesige Stadthalle in Frage. Ich schluckte etwas, war aber von der Zusage auch begeistert und berichtete meinem Chef. Der verlor alle Farbe aus dem Gesicht, gestattete mir dann aber, die Idee an vorgeordneter Stelle einzureichen. Trotz Hinweis auf die Popularität der beiden Moderatoren und des denkbaren Eintrittsgeldes wurde die Idee wegen des erheblichen finanziellen Risikos abgelehnt. Ich bedankte mich bei der netten Gesprächspartnerin des ZDF und sagte ab.
Einige Tage später meldete sie sich erneut bei mir. Herr Kienzle würde die Stadt gut kennen und hätte große Lust zu einer Veranstaltung. Er wäre bereit, die Moderation zum halben Preis zu machen. WOW das war natürlich eine tolle Nachricht. Aber die Entscheider in der Bank hatten keinen Mut und so blieb diese Idee also letztendlich eine Anekdote.
Im Jahr 1999 teilte sich die Bank in zwei neue Institute für die mittlere und die gehobene Kundschaft, das sogenannte Private Banking. Ein Vorgang, der von Kunden wie Mitarbeitern als Fehler gesehen und dann nach etwa 5 Jahren auch wieder rückgängig gemacht wurde. Beiden Instituten wurde intern dargelegt, es sei jeweils das überlebensfähigere und das andere würde wohl irgendwann abgespalten werden. Das führte zunehmend zu echtem Konkurrenzverhalten zwischen Mitarbeitern, die zuvor alle an einem Strang gezogen hatten. Für mich ergab sich die Situation, dass ich eines Tages in das Private Banking wechselte. Da sich dort die Produkte und die Beratungstechnik deutlich verändert hatten, sollte ich gleich zu Anfang ein Seminar belegen, in dem die neuesten Entwicklungen präsentiert wurden. Die Seminarteilnehmer kamen aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands und in den Pausen tauschte man sich aus über Herkunft und Tätigkeit, etc. aus. Dabei erzählte ich einem Kollegen, dass ich erst vor kurzem in das Private Banking gewechselt habe. Darauf sah er mich kritisch an und sagte: „Wäre es nicht besser gewesen, der König unter den Ärschen zu sein, als der Arsch unter Königen?“ Soviel Borniertheit hat mich dann tatsächlich sprachlos gemacht.
Der Weltspartag sollte ja eigentlich ein Tag für die jungen Sparer sein. Kinder und Jugendliche sollten für den Erfolg ihrer Sparleistung mit kleinen Präsenten oder Aufmerksamkeiten belohnt werden. Die Sparkassen und Volksbanken überboten sich an diesem Tag mit Plüschtieren, Etuis, Kugelschreiber und vielen anderen Geschenken. Die Privatbanken waren da eher zurückhaltender, konnten sich dem Tag aber nicht entziehen.
So kamen also Eltern mit ihren Zöglingen ließen artig das Sparbuch nachtragen und freuten sich über Präsente und Süßigkeiten. Dann gab es aber auch die, die einfach nur scharf auf die Geschenke waren, egal wie sinnvoll oder werthaltig die auch waren. Da gab es dann so Aussagen wie: „Ich habe gerade die Enkelkinder zu Besuch, die müssen natürlich auch etwas bekommen….., mein/e Tochter/Sohn kann nicht kommen, ich nehme die Geschenke dann für die gleich auch mit……., haben Sie nichts besseres?.....ich will den Schnickschnack den Kindern nicht wegnehmen, haben Sie nicht etwas Besonderes für die guten Kunden?“
Ganz dreist waren dann die Anrufer: „Ich kann heute nicht kommen……../Ich glaube, Sie haben heute schon genug zu tun, legen Sie mir doch einfach etwas Nettes bei Seite, ich komme dann nächste Woche vorbei.“
 Aber den Vogel schoss dann doch eine Ärztin ab, die ohnehin schon als unhöflich und giftig verschrien war. Sie kam morgens in die Bank und fragte nach den Geschenken. Als man ihr sagte, dass es dieses Jahr nur Spardosen und kleine Teddys für die Kinder gäbe, sah sie auf dem Kundenschalter die bereit gestellten Süßigkeiten für die Kleinen, nahm die Schale und schütte den gesamten Inhalt in ihre Handtasche. Dann verließ sie die Bank und ließ fassungslose Mitarbeiter am Tresen zurück.
Diese Geschichte stammt aus der Zeit nach der Finanzkrise 2008 und ist nicht zum Schmunzeln. Ich schreibe sie dennoch auf, weil sie die Stimmung und Unsinnigkeit in dieser Zeit wiederspiegelt.
Die Kunden waren noch geschockt von den Kurseinbrüchen, viele hatten erhebliche Verluste durch komplizierte Zertifikatkonstruktionen oder durch geschlossene Beteiligungen erlitten. Somit hielten sie sich mit neuen Anlagen in Wertpapieren zurück und die Provisionserträge gingen in den Keller. Die Regionsleitung ordnete Telefonkonferenzen, „Morning-Huddles“, „Jour fix“, Listen über Erträge und Terminvereinbarungen an. Wenn ein Kunde anrief und seinen Besuch wegen einer Frage zu einem Zeitungsartikel oder einer Buchung auf seinem Kontoauszug ankündigte, so wurde hieraus gleich ein vereinbarter Kundentermin gemacht, um die Quoten zu erfüllen. Der Chef kam mehrmals am Tag in unser Büro und fragte nach den vereinnahmten Erträgen. Zum Wochenende hin wurde er dann immer recht nervös, weil noch X Euro zum Wochenziel fehlten. Schließlich musste er seinem Regionalleiter einen monatlichen Plan erstellen, aus dem hervorging mit welchen Maßnahmen das Team die viel zu hoch gesteckten Ziele wohl erreichen würde. Immer wieder nervte er mit der Frage, was wir denn nun machen würden. Schließlich erstellte ich mit EXCEL eine Tabelle mit verschiedenen automatischen Rechenfunktionen. Gab ich in dem Feld „Summe Erträge“ eine Zahl ein, so errechnete die Tabelle in welcher Geschäftsart wieviel Ertrag anfällt. Die prozentuale Zuordnung zu den Geschäftsarten (Wertpapierverkäufe, Abschluss von Versicherungen oder Bausparverträgen, etc.) konnte ich verdeckt je nach Bedarf zuvor noch verändern. Als ich ihm das erste Mal das Tabellenblatt ausdruckte, war er sofort begeistert und nutzte die Unterlage für seine Telefonkonferenz. Auch meine Erklärung, dass die Tabelle willkürlich irgendwelche Zahlen liefere und nichts mit der Realität der Marktverhältnisse und den Kundenreaktionen zu tun hätte, linderte seine Begeisterung nicht. Und so lieferte ich ihm regelmäßig einen Ausdruck mit leicht veränderten Eingaben. Wir nannten das dann nachher unsere „Lügen-Datei“. Vorsorglich lieferte ich kurz danach auch gleich die Argumente, warum wir die prognostizierten Ziele nicht erreicht hätten
  • Uwe B. und die Karteikarten [NW]
  • Während meiner Ausbildungszeit gab es neben Umsatzblättchen für Konten auch verschiedene Karteikarten, die vom Großrechner ausgedruckt und in den Filialen einzusortieren waren: Schlüsselkarten und Konditionskarteikarten. Die einen mussten kontonumerisch einsortiert werden, die anderen alphabetisch. Und wer durfte diese hochspannende und verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen? Richtig, die Auszubildenden! In meiner Zweigstelle waren diese Karteikarten in einem hölzernen Auszug des Schaltertresens untergebracht. Mein Mitazubi Uwe B. schaffte es eines Tages, diesen Auszug so heftig aufzureißen, dass sämtliche Karteikarten auf dem Fußboden landeten. Zweigstellenleiter Walter N. war kurz vorm Hyperventilieren: „Das sortieren Sie alles wieder ein! Und achten Sie mir ja aufs Alphabet!“ Uwe hat dann den Rest des Tages oder noch mehr gebraucht, um die Karten wieder einzusortieren. Nach getaner Arbeit kontrollierte ihn Herr N., der dann fast einen Herzkasper bekam: „B., was haben Sie denn hier gemacht?!?“ 

    B: „Alles alphabetisch sortiert, so wie Sie es gesagt haben!“ 

    N: „Aber doch nicht nach Vornamen!!!!“

  • Schwarzbunte Übersetzung im Akkreditiv [NW]
  • Im zweiten Ausbildungsjahr kamen 1978 mit der Baufinanzierung und dem Auslandsgeschäft zwei sehr interessante Bereiche, die mir sehr viel Freude machten. Da Bremen selbst als zweitgrößte Hafenstadt in der Bundesrepublik damals noch sehr große Bedeutung besaß, hatten wir eine entsprechend große Auslandsabteilung mit diversen Fachbereichen. Am interessantesten fand ich das Dokumentengeschäft, wo für Akkreditive und Inkassi die Dokumente aus aller Herren Länder sorgfältigst zu prüfen waren, ehe Zahlungsfreigabe erfolgen konnte. Trug doch die Bank bei fehlerhaften Kontrollen erhebliche wirtschaftliche Risiken. In den Dokumenten kam es auf eine sehr genaue Beschreibung der Waren an. Und häufig gab es sonderbare Übersetzungen ins Englische. 

    Ich erinnere mich an ein Akkreditiv aus Arabien, wo es um die Lieferung von Kühen ging. Im Textteil, der die Ware beschrieb, hieß es da: 

    „Each cow is packed in a black and white skin. In each skin is only one cow“. 

Während meiner Ausbildungszeit gab es neben Umsatzblättchen für Konten auch verschiedene Karteikarten, die vom Großrechner ausgedruckt und in den Filialen einzusortieren waren: Schlüsselkarten und Konditionskarteikarten. Die einen mussten kontonumerisch einsortiert werden, die anderen alphabetisch. Und wer durfte diese hochspannende und verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen? Richtig, die Auszubildenden! In meiner Zweigstelle waren diese Karteikarten in einem hölzernen Auszug des Schaltertresens untergebracht. Mein Mitazubi Uwe B. schaffte es eines Tages, diesen Auszug so heftig aufzureißen, dass sämtliche Karteikarten auf dem Fußboden landeten. Zweigstellenleiter Walter N. war kurz vorm Hyperventilieren: „Das sortieren Sie alles wieder ein! Und achten Sie mir ja aufs Alphabet!“ Uwe hat dann den Rest des Tages oder noch mehr gebraucht, um die Karten wieder einzusortieren. Nach getaner Arbeit kontrollierte ihn Herr N., der dann fast einen Herzkasper bekam: „B., was haben Sie denn hier gemacht?!?“ 

B: „Alles alphabetisch sortiert, so wie Sie es gesagt haben!“ 

N: „Aber doch nicht nach Vornamen!!!!“

Im zweiten Ausbildungsjahr kamen 1978 mit der Baufinanzierung und dem Auslandsgeschäft zwei sehr interessante Bereiche, die mir sehr viel Freude machten. Da Bremen selbst als zweitgrößte Hafenstadt in der Bundesrepublik damals noch sehr große Bedeutung besaß, hatten wir eine entsprechend große Auslandsabteilung mit diversen Fachbereichen. Am interessantesten fand ich das Dokumentengeschäft, wo für Akkreditive und Inkassi die Dokumente aus aller Herren Länder sorgfältigst zu prüfen waren, ehe Zahlungsfreigabe erfolgen konnte. Trug doch die Bank bei fehlerhaften Kontrollen erhebliche wirtschaftliche Risiken. In den Dokumenten kam es auf eine sehr genaue Beschreibung der Waren an. Und häufig gab es sonderbare Übersetzungen ins Englische. 

Ich erinnere mich an ein Akkreditiv aus Arabien, wo es um die Lieferung von Kühen ging. Im Textteil, der die Ware beschrieb, hieß es da: 

„Each cow is packed in a black and white skin. In each skin is only one cow“.