Den letzten Willen verbindlich vereinbaren

Mit einem Erbvertrag können Sie bestimmte Regelungen für Ihren Nachlass vertraglich binden. Anders als bei einem frei widerruflichen Einzeltestament lässt sich eine solche Verfügung später nicht beliebig einseitig ändern.

Ein Erbvertrag muss grundsätzlich bei gleichzeitiger Anwesenheit der Vertragsparteien notariell beurkundet werden. Wer seinen Nachlass regelt, muss dabei persönlich handeln. Die notarielle Beratung klärt, welche Bindung gewünscht ist und welche Spielräume bleiben sollen.

Wann ein Erbvertrag sinnvoll sein kann

Ein Erbvertrag kommt beispielsweise für unverheiratete Paare infrage, die sich gegenseitig verbindlich absichern möchten. Er kann auch helfen, die Unternehmensnachfolge zu gestalten oder Angehörige aus unterschiedlichen Familienzweigen einzubeziehen.

Ein weiteres Beispiel: Jemand möchte einen Freund bedenken, der sich auf eine langfristige Unterstützungs- oder Pflegeleistung verpflichtet. Hier sollten die Leistungen, mögliche Veränderungen und Rücktrittsrechte ausdrücklich geregelt werden. Eine Erbeinsetzung allein beantwortet solche Fragen nicht.

Nicht alle Beteiligten müssen im Vertrag über ihren eigenen Nachlass verfügen. Es genügt, wenn eine Person eine vertragsmäßige Verfügung trifft; begünstigt werden kann auch ein Dritter.

Was bindend geregelt werden kann

Vertragsmäßig können Erbeinsetzungen, Vermächtnisse, Auflagen und die Wahl des anzuwendenden Erbrechts vereinbart werden. Daneben kann ein Erbvertrag einseitige Verfügungen enthalten, für die andere Änderungsmöglichkeiten gelten.

Die Bindung betrifft die Verfügung für den Todesfall. Sie bedeutet grundsätzlich nicht, dass Sie Ihr Vermögen schon zu Lebzeiten abgeben oder nicht mehr darüber verfügen dürfen. Schenkungen, die einen Vertragserben beeinträchtigen sollen, können allerdings nach dem Erbfall Rückforderungsansprüche auslösen.

Wie viel Beweglichkeit bleibt

Die Stärke des Erbvertrags ist seine Verbindlichkeit. Sie kann später aber auch zur Einschränkung werden, etwa nach einer Trennung, einem Zerwürfnis oder einer veränderten Vermögenslage.

Zu Lebzeiten der maßgeblichen Vertragspartner kann eine notarielle Aufhebung vereinbart werden. Ein vorbehaltener Rücktritt oder gesetzliche Rücktrittsgründe können ebenfalls Wege eröffnen. Für Ehepartner und eingetragene Lebenspartner gibt es zudem besondere Möglichkeiten, einen zwischen ihnen geschlossenen Erbvertrag durch ein gemeinschaftliches Testament aufzuheben.

Die pauschale Aussage „einmal unterschrieben, für immer unveränderlich“ wäre deshalb falsch. Ebenso wenig lässt sich die Bindung durch ein beliebiges neues Testament umgehen. Lassen Sie mögliche Änderungen prüfen, bevor Sie neue Regelungen treffen.

Erbe und Vermächtnis unterscheiden

Ein Erbe tritt grundsätzlich in die Rechtsstellung der verstorbenen Person ein. Er erhält den gesamten Nachlass oder einen Anteil daran – und übernimmt grundsätzlich auch dessen Verbindlichkeiten.

Ein Vermächtnis verschafft dagegen einen Anspruch auf eine bestimmte Leistung, meist gegen den Erben. Das kann ein Geldbetrag, ein Gegenstand, eine Immobilie oder ein Nutzungsrecht sein. Der Vermächtnisnehmer wird dadurch nicht allein schon Erbe oder automatisch Eigentümer des Gegenstands.

Empfehlung: Benennen Sie zuerst eindeutig die Erben. Regeln Sie anschließend, wer darüber hinaus etwas Bestimmtes erhalten soll. So bleibt nicht ausgerechnet der Rest des Vermögens ungeklärt.


Quellen & Infos

Errichtung und zulässiger Inhalt · BGB §§ 2274, 2276, 2278  |  Bindung und Änderung · BGB §§ 2286 bis 2296  |  Erbe und Vermächtnis · BGB §§ 1922, 1967, 2174

Stand: Oktober 2026